212 	Die Principien der mechanischen Naturauffassung.

legen, welche von differenter chemischer Natur sind, und sie erst
bezeichnen wir als Atome oder chemische Elemente, weil sic sich
auf keine Weise in chemisch verschiedene Bestandtheile weiter zer-
legen lassen.
	Jedes Molecill des Wassers besteht aus zweierlei Atomen, aus
Wasserstoff- und Sauerstoffatomen nämlich. Lassen wir hier die Pole
einer elektrischen Batterie in das Gefäss mit Wasser tauchen, so zer-
setzt sich dieses letztere sofort in zwei, ihren Eigenschaften nach ver-
schiedene Gase: kleine Bläschen Sauerstoff steigen vom positiven Pol
auf, während Bläschen von Wasserstoff sich am negativen Pol zeigen;
wägen wir beide, so erhalten wir das Gewicht des zersetzten Wassers.
	Mit der Einreihung dieses letzten Gliedes in die Kette der Erfah-
rungen über die Theilbarkeit der Materie kommt dieselbe thatsächlich
zum Abschluss. Sie erweist sich also als eine dreifache: als molare,
moleculare und atomistische.
	1) Die molar e Theilung wird durch mechanische Hilfsmittel be-
werkstelligt und liefert, selbst auf's äusserste getrieben, immcr nur
Massen oder Molen, welche wahrnehmbare Grössen besitzen und der
unmittelbaren Beobachtung zugänglich sind.
	2) Die mole culare Theilung, durch Anwendung physikalischer
Kräfte, wie die Wärme, erreichbar, erweist selbst die kleinsten Molen
oder Massen als aus Aggregaten noch kleinerer Theilchen bestehend
und findet ihre Grenze in den unmessbar kleinen M 01cc II l en.
	3) Die atomistische Theilung endlich gelingt durch chemisch-
physikalische Vorgänge, welche das unmessbar kleine Moledül in seine
elementaren Bestandtheile oder A to in e zerlegen.
	Die Molecüle und Atome, welche aus der molecularen und atomi-
stischen Theilbarkeit der Materie als Grenzpunkte hervorgehen, sind
zwar der unmittelbaren Beobachtung entzogen, ihre reale Existenz kahl
aber mit einer an Gewissheit grenzenden Wahrscheinlichkeit erschlossen*
werden; denn nur, wenn wir dieselbe statuiren, gelingt es uns, die
thatsächlichen Ergebnisse der modernen Forschung befriedigend zu
verknüpfen und zu erklären. In der That, wenn der Chemiker erfährt,
dass der Kohlenstoff mit dem Sauerstoff - von der Gewichtsmenge des
Wasserstoffelements als Einheit ausgehend - sich nur im Gewichts-
verhältuiss von 12 : 16 (im Kohlenoxyd) oder von 12 : 32 (in der Koh-
lensäure( vereinigt; wenn er weiter erfährt, dass die Gewichtsverhält-
nisse des Kohlenstoffs im Grubengas, im ölbildenden Gas, im Aether,
im Terpentinöl durch die Zahlen 12, 24, 48, 120, jenes des Sauer-
stoffes im Wasser, in der Essigsäure, in anderen Verbindungen durch
die Zahlen 16, 48, 64 ausgedrückt werden: muss er da nicht nothwen-
