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Die Principien der mechanischen Naturauffassung.
Art entgegen, welche oft nur dadurch zu überwinden sind, dass wir, unserer Phantasie vertrauend, gewisse Voraussetzungen gelten lassen, um die Ergebnisse bereits angestellter Versuche mit einander zu verknüpfen und die Richtung neuer Versuche zu bezeichnen. Solche Voraussetzungen nennen wir Hypothesen (von v.co, unter, und einem Abkömmling von lilhjii. ich stelle, also wörtlich: Unterstellungen . Die Hypothese ist für die Naturforschung das werthvollste Hilfsmittel, allein das gilt nur von der Hypothese, welche, auf Th a t-sadien fussend, das Verstaudniss dieser Thatsachen anbahnt, dieselben unter einem Gesichtspunkt vereinigt und endlich zu neuen Versuchen Veranlassung gibt; die rein speculative Hypothese, welche nicht in dem Boden des Versuches und der Beobachtung wurzelt, hat keine Bedeutung und kann also nur als eine wenig fruchtbare Verstandesübung betrachtet werden. — Die Hypothese ist begreiflich ein ganz provisorisches Hilfsmittel; sie muss erweitert und selbst aufgegeben werden, je nachdem sie für die Ergebnisse fortgesetzter Forschung zu enge wird, oder aufhört sich ihnen anzupassen. Umfasst und erklärt die Hypothese andererseits ausgedehnte Reihen von Erscheinungen, ergeben sich in fortgesetzten Versuchen die Resultate, welche die Hypothese in Aussicht stellt, wird sie durch aufeinanderfolgende Entdeckungen höher und höher in der Wahrscheinlichkeitsskala gehoben, so verliert sie immer mehr und mehr ihren provisorischen Charakter, bis sie zuletzt mit dem Namen und Rang einer Theorie (von Otcootoj, ich betrachte) den anerkannten Lehren der Wissenschaft sich anreiht.« 1 :
In diesem Sinne, meine Herren, ist die empirische Atomenlehre, welche, wie Sie bald sehen werden, auf unzweifelhaften Thatsachen fusst und mit all’ den glänzenden Entdeckungen und Erfolgen der modernen Naturwissenschaft in solidarischem Zusammenhänge steht, eine feststehende Theorie, von deren Grundzügen Jeder, der irgend Anspruch auf allgemeine Bildung haben will, eine einigermassen richtige und klare Vorstellung besitzen muss.
Nach dieser Theorie besteht nun die Materie aus unzählbaren discreten, d. h. durch freie Zwischenräume von einander getrennten, unmessbar kleinen Theilchen oder Atomen von zweierlei Art : die einen heissenKörperatome, die anderen Aetheratome.—Die Körperatome ziehen sich gegenseitig an, die Aetheratome stossen sich gegenseitig ab. —■ Auch dort, wo Körper- und Aetheratome in gegenseitige Beziehung treten, wird angenommen, dass die ersteren anziehend, die letzteren abstossend wirken — die einfachsten elementaren Bewegun-
1 Einleitung in die moderne Chemie; Braunschweig 1871, S. 219—220.