	IV. Gesetz von der Erhaltung der Kraft.	227

durch Aufwand seiner eigenen lebendigen Kraft das Pendelgewieht
gehoben, der Stab wieder gespannt wird, so dass im gehobenen Ge-
wicht, wie im gespannten Stab die lebendige Kraft wieder in Spann-
kraft umgesetzt erscheint. Pendel und Stab, gelangen am anderen
Ende der Schwingungsbahn zur Rube, weil die lebendige Kraft gleich
Null geworden ist; doch beginnen sie ihre Bewegung sofort von Neuem,
indem die Spannkraft sieh wieder in lebendige Kraft verwandelt. Sie
ersehen hieraus, dass der gesammte Kraftvorrath oder die totale
Energie, welche ich dem schwingenden Metallstab, wie vorhin dem
Pendel mitgetheilt habe, an jedem Punkte der Schwingungsbahn eine
Summe von Spannkraft und lebendiger Kraft, oder was
dasselbe, von potentieller und aetueller Energie ist. Die beiden Sum-
manden ndern fortwhrend in entgegengesetztem Sinne ihre Werthe.
An den beiden Enden der Schwingungsbahn ist die totale Kraft Spann-
kraft, whrend die lebendige Kraft gnzlich fehlt; im Halbirnngs-
punkte dagegen ist die gesammte Kraft lebendige Kraft, und die
Spannkraft fehlt; an jedem andern Punkte der Bahn ist die totale
Energie die Summe von so viel Spannkraft als noch nicht verbraucht
ist, und von so viel lebendiger Kraft als der bereits verbrauchten
Spannkraft entspricht, oder umgekehrt von so viel lebendiger Kraft,
als noch nicht verbraucht ist, und von so viel Spannkraft als der bereits
verbrauchten lebendigen Kraft entspricht.
	Ich habe mich so lange bei dieser Errterung aufgehalten, weil es
mir dadurch erst mglich geworden ist, Ihnen den Sinn des Gesetzes
von der Erhaltung der Kraft ausserordentlich klar zu formnliren; denn
erst jetzt knnen Sie mich vollkommen verstehen, wenn ich sage: nach
diesem Gesetze muss immer und unter allen Umstnden
fur das Quantum Spannkraft, welches verschwindet,
ein quivalentes, d. h. gleich grosses Quantum leben-
diger Kraft auftreten, welches, in entgegengesetzter
Richtung aufgewendet, dasselbe Quantum von Spann-
kraft wieder herstellt. Es bleibt sich somit die Summe
dieser beiden Grssen oder die totale Energie, d. h. der
gesammte Kraftvorrath, durch das ganze Universum
stets gleich.
	Jetzt begreifen Sie auch ganz und gar, dass es ebenso unmglich
ist, Kraft oder Arbeit zu erschaffen als zu vernichten, und sind so der
Ansieht nher gekommen, dass alle die mannigfachen Umwandlungen
in der That einzig und allein in einem Wechsel der Triebkraft oder
Energie bezglich ihres Ortes im Raume und ihrer Erscheinungsformen
bestehen.
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