222 	Die Principien der mechanischen Naturauffassung.

nicht, wie auf das oberschlchtige Mhlrad, als fallendes Gewicht
wirken kann. Das Mhlrad bewegt sich dagegen sofort, wenn man
eine andere Triebkraft aufgewendet hat, durch welche das Wasser
eine gewisse Geschwindigkeit erlangt, bevor es die eintauchen-
den Mhlradfeher fllt. Hier ist es also wieder nicht die Schwere
oder das Gewicht des sinkenden Wassers, sondern die erlangte
Geschwindigkeit desselben, welche die Triebkraft fur das Rad liefert.
	Bei der grossen Bedeutung, welche die Triebkraft bewegter
Massen fr uns hat, will ich, zum vollkommneren Verstndniss der-
selben, Ihnen noch folgenden Versuch an der ATwooD'seheu Ma -
s chine zeigen. Sie sehen hier eine Rolle auf diesem Gestelle. Ueher
dieselbe geht ein Faden, an dessen beiden Enden Gewichte hngen,
die genau gleich schwer sind. Sie halten sieh daher im Gleichgewicht,
es herrscht Ruhe. Legen Sie nun ein kleines Gewicht auf das eine
oder andere der beiden Gewichte auf, so wird der Ruhezustand des
Gleichgewichtes gestrt und es entsteht sofort Bewegung im Sinne
und in der Richtung des aufgelegten Uebergewiehtes: das belastete
Gewicht fllt mit beschleunigter Geschwindigkeit, whrend das un-
belastete in derselben Weise aufsteigt. Die Schwerkraft des Ueber-
gewichtes ussert sieh hier in Form von Bewegung, und indem diese
Kraftusserung eoutiuuirlieh vorhanden ist, so muss die Geschwindig-
keit der Bewegung fortwhrend zunehmen. In der That, in jedem
Augenblick ist die erlangte Geschwindigkeit der bewegten Massen
grsser als im vorhergehenden. Was geschieht nun aber, wenn pltz-
lich das aufgelegte Uebergewicht von dem mit beschleunigter Ge-
schwindigkeit fallenden Gewichte abgehoben und damit also jene
Kraft ganz entfernt wird, welche die ganze Bewegung herbeigefhrt
hat? Sie knnen dies bewerkstelligen, wenn Sie das belastete Gewicht
durch einen Ring gehen lassen, auf welchem das hervorstehende
Uebergewicht liegen bleibt. Von dein Momente ah, wo das Ueber-
gewicht abgehoben und die die Bewegung erzeugende Schwerkraft
aus dem Apparate entfernt wird, hrt wohl die weitere Bes eh len -
nigung der Bewegung auf, nicht aber die Bewegung selbst.
Die Geschwindigkeit der Bewegung, welche die Massen als V/irk ung
der nunmehr eliminirten Schwerkraft in dem Momente bereits erlangt
hatten, wo das Uebergewicht abgehoben wurde, ussert sieh nunmehr
selbst als Bewegungsursaehe und berwindet noch eine Zeit lang
den Widerstand der entgegenstehenden Krfte, bis sie allmhlich
immer mehr und mehr verzgert, endlich gleich Null wird, und Alles
zur Ruhe kommt. Was nun hier nach Entfernung der ursprnglichen
Triebkraft, - der zwischen dem U eh erg e w i e lit und der Erde
