	IV. Gesetz von der Erhaltung der Kraft.	223

herrschenden Anziehungskraft nmlich, - die bewegten Massen in
Bewegung erhlt und treibt, nennt man eben die Geschwindigkeit
bewegter Massen. Sie erfahren somit auf's deutlichste, dass die als
Triebkraft thtige Geschwindigkeit bewegter Massen zwar keine
besondere, dem Stoffe inhrirende Kraft, sondern nur die briggeblie-
bene Wirkung einer solchen ist; dass aber diese Wirkung zur Ursache
neuer Wirkungen werden kann, auch wenn die ursprngliche Kraft
gar nicht mehr dabei betheiligt ist.
	Dass ferner auch diese Form der Triebkraft in dem Maasse ab-
nimmt, als sie wirkliche Arbeit leistet, und schliesslich vllig ver-
schwindet, gerade so wie die Triebkraft des gehobenen Gewichtes,
wenn es sinkend Arbeit leistet, sehen Sie deutlich bei meinem Versuch
mit dem Springbrunnen. Sobald der Wasserstrahl Arbeit leistet, indem
er das Rdchen treibt, springt er nicht mehr gleich hoch, wie wenn
er frei in der Luft aufsteigt. Indem nmlich die erlangte Geschwin-
digkeit des bewegten Wassers sich als Triebkraft dem Rdchen mit-
theilt, wird sie kleiner und kleiner und geht dem Wasser allmhlich
ganz verloren; das Wasser gelangt dadurch frher, also in geringerer
Hhe als beim freien Springen, zur Ruhe und fllt dann, dem Zuge
der Schwere folgend, zu Boden. Es gibt eben keine Arbeitsleistung
ohne Verlust von Triebkraft, in welcher Form die Triebkraft immer
erscheinen mag.
	Allein kehren wir zu unserm Pendelgewichte zurck, an dem wir
die Geschwindigkeit bewegter Massen zuerst wahrgenommen haben.
Nachdem es, seiner Schwere folgend, beim Punkte Al eingetroffen ist,
leistet es, vie wir sahen, noch Arbeit, die mit der Triebkraft des
gehobenen Gewichtes nichts gemein hat, sondern der Richtung der
Schwere entgegengesetzt, die eigene Masse wieder in die Hhe hebt.
Wie das Gewicht zuerst mit stets zunehmender Geschwindigkeit von
A nach Al gesunken ist, so steigt es von da an mit stets abnehmender
Geschwindigkeit von ill auf b wieder hinan. Dort zur Ruhe gelangt,
gerth es im nchsten Augenblick wieder in Bewegung, weil es durch
Aufwendung seiner Triebkraft in Form von Geschwindigkeit die ur-
sprngliche Triebkraft in Form eines gehobenen Gewichtes wieder
erlangt hat. Sie sehen hier, wie die beiden Formen der Triebkraft,
die des gehobenen Gewichtes und die der Geschwindigkeit einer
bewegten Masse, unmittelbar in einander bergehen. - In den Punk-
ten a und b hat die Masse des Gewichtes keine Geschwindigkeit, sie
ist aber um A a = B b gehoben und kann daher ihre Schwere als
Triebkraft manifestiren, insofern sie fallen kann. Im Punkte Al, wo
sie sieh am Ende des Fallraumes befindet, ist sie zwar nicht mehr
