	IV. Gesetz von der Erhaltung der Kraft.	225

welche die Molecule des Kautschuks zusammenhlt, zu berwinden;
hnlich wie wir's beim ruhenden Gewichte thun mussten, um die
Attraction zwischen ihm und der Erde zu berwinden. Die hierzu auf-
gewendete Muskelkraft wird dabei nicht vernichtet, sondern sie ndert
nur ihre Erscheinungsweise und ihren Ort im Raume, indem sie sieh
auf den gedehnten Kautschukstreifen so zu sagen bertrgt, der da-
durch, analog dem gehobenen Gewichte, zu einer Triebkraft gelangt,
und wir lernen daher eine neue Art mechanischer Triebkraft kennen,
die Spannung elastischer Krper.
	Die Analogie in der Action der beiden Triebkrfte ist, wie ersicht-
lich, eine auffllige. Sowie das Gewicht sinken muss, wenn seine
Schwerkraft als Triebkraft wirklich Bewegung erzeugen soll, ebenso
muss der gespannte Kautschukstreifen sich entspannen, um das Rder-
werk in Bewegung zu versetzen. In beiden Fllen verkleinern sich
die frher durch die aufgewendete Muskelkraft hergestellten Zwischen-
rume, indem die Molecule des elastischen Streifens ebenso gegen-
einander fallen wie das Gewicht zur Erde fllt. In beiden Fllen wird
die Triebkraft allmhlich verausgabt und ist vollstndig aus dem Ge-
wichte und dem Kautschukstreifen verschwunden, wenn jenes am
Boden liegt und dieser seine ursprngliche Gleichgewichtsgestalt an-
genommen hat. Das Rderwerk bleibt stehen, - nm es neuerdings
in Bewegung zu setzen, mssten Sie dem Kautschukstreifen durch
abermalige Dehnung seine Triebkraft zurckgeben. Also auch hier
die Eigenheit der Triebkraft, durch wirklich geleistete Arbeit erschpft
zu werden; auch hier die Mglichkeit ihrer Wiederherstellung durch
Aufwendung einer neuen Quantitt einer andern Triebkraft.
	Die Analogie reicht indess auch noch weiter; denn auch die Be-
ziehung zu und der Zusammenhang mit der Triebkraft in Form von
Geschwindigkeit sind bei der Triebkraft, welche ein gespannter
elastischer Krper besitzt, genau dieselben wie bei der Triebkraft des
gehobenen Gewichtes. Ein einfacher Versuch berzeugt Sie hiervon.
Biege ich einen langen elastischen Metallstab nach der Seite und lasse
ihn hierauf pltzlich los, so sehen Sie, wie er hin und her schwingt,
gerade so wie vorhin das Pendel. Allerdings ist hier eine andere
Kraft im Spiele; beim Pendel war es die Schwerkraft, hier ist es die
Cohsion elastischer Krper, welche als unmittelbare Bewegungs-
ursache wirksam ist. In mechanischem Sinne ist jedoch hier wie dort
der Vorgang genau derselbe. Hier wie dort sehen Sie, wie eine
bestimmte Quantitt einer fremden Triebkraft, der Kraft der Arm-
muskeln, aufgewendet wird, um an den Apparaten Vernderungen
hervorzubringen, welche dort dem Pendelgewichte, hier dem elasti-
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