﻿IV. Gesetz von der Erhaltung der Kraft
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klarerem Verständnis« vorzudringen. Wenn Sie mit einigem Aufwande von Aufmerksamkeit, Hingebung und Consequenz, ohne welche freilich in keiner Wissenschaft Etwas zu erreichen ist, meinen weiteren Auseinandersetzungen, die sich nunmehr dem sogenannten Gesetze von der Erhaltung der Kraft zuwenden, folgen wollen, darf ich hoffen, Ihnen das Verständniss der modernen naturwissenschaftlichen Anschauungen so weit erschliessen zu können, als es heutzutage von Jedem, der auf wahre allgemeine Bildung Anspruch macht, gefordert werden muss. Denn die Zeiten sind vorüber, wo man sich auf der Höhe der allgemeinen Bildung stehend wähnte, wenn man auch keine weitere Kenntniss der Naturerscheinungen und ihres causalen Zusammenhanges besass, als aus dem täglichen Leben und aus der mosaischen »Genesis« zu holen ist ! —
Was besagt zunächst das Gesetz von der Erhaltung der Kraft '? Es statuirt mit Bezug auf die Kraft wesentlich dasselbe, was durch das Gesetz von der Unveränderlichkeit des Stoffes bezüglich der elementaren Stofftheilchen gilt. Ich könnte Ihnen also kurz sagen: Gerade so wie die Quantität des Stoffes ewig und unveränderlich ist, d. h. das kleinste Stoffatom weder vernichtet noch neu geschaffen werden kann, ebenso sei auch die Quantität der im Naturganzen vorhandenen wirkungsfähigen Kraft ewig und unveränderlich, d. h. Kraft könne ebenso wenig erschaffen wie vernichtet werden — und gerade so wie der seltsame Wechsel in den Eigenschaften der Materie nur durch die Veränderung der Anordnung der an sich unveränderlichen Stoffatome zur Erscheinung kommt, ebenso beruhe nach unserem neuen Gesetz auch alle Mannigfaltigkeit der Vorgänge der Natur einzig und allein auf einem Wechsel des Ortes im Raume, wo, und auf einem Wechsel der Erscheinungsform, wie die an sich unveränderliche und unzerstörbare Kraft wirksam wird. — In der That, dies ist eine kurze Formulirung unseres Gesetzes.
Allein für die Meisten von Ihnen sind dies nur Worte ohne Begriffe. An Worte lässt sich trefflich glauben, vom Wort kann man kein Iota rauben — und wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein u. s. w. Hier wollen wir aber Mephisto’s Recept : »Haltet euch an Worte«, nicht befolgen; denn zum Begreifen gehören Begriffe, und diese stammen ans der Erfahrung. Ich muss also etwas weiter ausholen, um verständlich zu sein, und zwar um so mehr, als ja die tägliche Erfahrung mit unserem Gesetze in schreiendstem Widerspruch zu stehen scheint, indem bekanntlich allenthalben die Vergänglichkeit und Zerstörbarkeit der Kraft uns entgegentritt. Die Kugel z. B., welche dem tödtlichen Rohr entfliegt und die Kraft besitzt, auf ihrem Wege