218 	Die Principien der mechanischen Naturauffassung.

sehen Verbindung, der mechanischen Mischung und ds Aggregatzu-
standes der Materie kennen. Sie zeigt uns, wie aus gasfrmigen, un-
sichtbaren Stoffen sich feste, sieht- und greifbare Krper zusammen-
setzen knnen, die nach krzerer oder lngerer Zeit des Bestehens
wieder zu vergehen scheinen, indem ihre Bestandtheile von Neuem die
chemischen und physikalischen Eigenschaften annehmen, die sie vor
der Bildung des festen Krpers besessen hatten. Immer wieder stossen
wir auf das Grundgesetz von der Erhaltung oder Unzer-
strbarkeit des Stoffes.
	An die nachgewiesene Unvernderlichkeit und Constanz der Ele-
mentarstoffe und die nicht mehr zu bezweifelnde Thatsache: dass
allen Naturerscheinungen nur Vernderungen der Ver.
theilung der Atome im Raume zu Grunde liegen, schliesst
sich die weitere Folgerung von fundamentaler Bedeutung an: dass
alle Vorgnge in der Natur, so verschieden und man-
nigfaltig sie auch immer sein und erscheinen mgen,
in letzter Instanz durch mechanische Bewegung zu Stande
kommen. - So lst sich, wie Sie sehen, vor dem Blicke des exacten
Naturforschers alles Geschehen in der Natur in Bewegung der Atome,
MolecUle und Moledulaggregate oder Molen auf; fr ihn werden darum
auch alle die verschiedenen Krfte, welche man frher als
Ursachen der Erscheinungen postulirte, letzten Endes insgesammt
mechanische Bewegungskrfte, nichts als verschiedene
Combinationen derselben Anziehungs- und Abstos-
sungskrfte sein.
	Sind aber alle Naturkrfte mechanische Bewegungs-
krfte, alle also wesentlich gleichartig und nur verschiedene Erschei-
nungsformen derselben Kraft, so mssen sie auch alle mit demselben
Maasse, mit dem Maasse der mechanischen Kraft zumessen
sein, und nach diesem Maasse sich aus einer in die andere Erschei-
nungsform berfhren oder transformiren lassen - was erfahrungs-
gemss auch der Fall ist, wie wir spter zeigen werden.
	Das Endziel der modernen mechanischen Naturauffassung ist also:
die allem Geschehen zu Grunde liegenden Bewegungen und deren
Triebkrfte zu finden, und die gesammte Naturwissenschaft als ein
Problem der analytischen Mechanik zu behandeln. -
	Diese raschen Schlussfolgerungen und berraschenden Anschauun-
gen, welche ich eben angedeutet habe, werden die Meisten von Ihnen
beraus fremdartig anmuthen, und wohl den Wenigsten schon so ganz
verstndlich erscheinen. Ich will Sie deshalb ausdrcklich auffordern,
weder das Interesse noch den Muth und die Geduld zu verlieren, um zu
