	IV. Gesetz von der Erhaltung der Kraft.	221

iv o die Kraft in Erscheinung tritt, vor uns haben, dass aber die Kraft
selbst sich unvermindert erhlt?
	Ein anderes Beispiel. Ein Pendelgewicht hngt, seiner Schwere
folgend, ruhig senkrecht herab. Ziehe ich es unter Aufwand meiner
Armmuskelkraft von seinem Ruhepunkt Al (Fig. 3) nach der Seite, so
beschreibt es einen Kreisabschnitt, und wenn ich es in einem Punkte
desselben festhalte, in ci zum Beispiel, so habe ich es um die Hhe A a
gehoben, und ihm, wie im vorerwhnten Falle, durch meine Muskel-
kraft Triebkraft mitgethcilt, die sich dadurch kund gibt, dass das Pen-
del, sobald es losgelassen wird, sich in Bewegung setzt, und zwar sinkt
es jetzt nicht nur nach dem ursprnglichen Ruhepunkt Al herab, son-
dern, beachten Sie wohl, anstatt in Al angelangt daselbst stehen zu
bleiben, wie es sein Gewicht erfordern wurde, bewegt es sich nach der
andern Seite hin und leistet in dieser Weise Arbeit, indem es die eigene
Masse der Schwere entgegen bis zu jener Hhe hebt, auf welche es die
Triebkraft meiner Muskeln zuerst gehoben hatte, bis zum Punkte b
nmlich; denn die Hhe B b ist gleich der Hhe A a. Durch die Mit-
theilung oder Uebertragung meiner Muskeltriebkraft auf das Pendel
habe ich hier also nicht nur die Triebkraft der Schwere im Pendel wie-
der hergestellt; es geschah weit mehr; denn das Pendel bewegt sich
in Folge meiner aufgewendeten Kraft auch der Richtung seiner Schwere
entgegen; es hebt sein eigenes Gewicht empor, scheint also in den Be-
sitz einer neuen Triebkraft gelangt zu sein.
	In der That wird diese Triebkraft in der Physik als G c s eh iv in -
digkcit erlangter Bewegung bezeichnet, die durchaus nicht
identisch ist mit der Triebkraft der Schwere oder irgend einer andern
Triebkraft, die Sie noch kennen lernen werden, sondern es tritt die-
selbe als Wirkung einer jeden Bewegung auf, gleichviel ob
diese eine Aeusserung der Triebkraft der Schwere oder sonst welch'
einer Triebkraft sei.
	Ein eclatantes Beispiel dieser Geschwindigkeit bewegter
Massen bietet Ihnen auch dieses Modell. Ich habe hier einen gegen
die Richtung der Schwere aufsteigenden Wasserstrahl. Halte ich das
kleine Schaufelrdchen in den Wasserstrahl, so wird es in lebhafte
Umdrehungen versetzt. Das Wasser besitzt hier Triebkraft, wie Sie
sehen, sogar ent gegen der Richtung seiner Schwere. Die Trieb-
kraft des Wassers kann also nur aus der Geschivindigkeit stam-
men, die es erlangt hat. Ja, unsere Windmhlen, was anders treibt
sie als die Geschwindigkeit der bewegten Luft? - Wer von Ihnen ein
nntersehlehtiges Mhlrad gesehen hat, weiss ferner, dass dasselbe
unbewegt bleibt, so lange dem Wasser das Geflle fehlt und es daher
