Iv.

Gesetz von der Erhaltung der Kraft.





	Wir hatten mit der Betrachtung des Kreislaufs des Stoffs in den
drei Naturreichen begonnen und dabei erfahren, wie die Pflanze aus
einfachen unorganischen Stoffen Stoffe complicirter organischer Consti-
tution fabricirt, das Thier dagegen die in solcher Weise umgewandelten
Stoffe als Nahrungsmittel aufnimmt und wieder zerlegt, nm sie in Form
derselben einfachen unorganischen Verbindungen dem Mineralreich
zurückzugeben, ans welchen sie die Pflanze wieder für das organische
Leben zurückgewinnt.
	In Bezug auf die Atome haben wir dann die Einsicht gewonnen,
dass sie durch ihren Eintritt in chemische Verbindungen irgend welcher
Art nichts an ihrer Masse und ihren Eigenschaften verlieren. Man kann
ans allen, auch ans den complicirtesten zusammengesetzten chemischen
Stoffen die Elementarstoffe vollkommen nach Form, Gewicht und
Kräften wieder erhalten, wie sie zur Bildung des betreffenden Körpers
zusammengetreten sind.
	Auch dann, wenn Stoffatome Bestandtheile eines lebenden Orga-
nismus geworden sind, verlieren sie nichts an den ihnen im isolirten
Zustande zukommenden Eigenschaften; der Kohlenstoff verbrennt im
Organismus ebenso zu Kohlensäure wie ausserhalb desselben; der
Wasserstoff bildet in beiden Fällen bei seiner Verbindung mit Sauer-
stoff Wasser. Andererseits ist der Lebensprocess auch der beste Scheide-
künstler, indem er aus den organischen Verbindungen stets ihre Ele-
mente wieder zu gewinnen versteht - zum neuen Beweise des Satzes,
dass nirgends in der Natur Etwas, auch nur ein Atom von den vorhan-
denen Stoffelementen verschwindet oder neu gebildet wird. Die Materie
trägt fur den Naturforscher den Charakter der unvergänglichen Bestän-
digkeit. Ueberall, wo das Auge des Menschen ein Neuentstehen von
Stoff, ein Vergehen desselben zu erblicken meint, lehrt uns die exacte
Wissenschaft nur einen Wechsel der Form, einen Wechsel der  chemi-
