﻿V. Austausch von Spannkraft und lebendiger Kraft.
231
dadurch, dass sie von selbst eine Veränderung oder Bewegung ker-beiführen, und wir würden von dem wirklichen Vorhandensein dieser Kräfte keine Ahnung haben, wenn wir nicht erfahrungsgemäss wüssten, dass sich dieselben sofort in bestimmter Form und Richtung Veränderungen bewirkend äussern, sobald wir den vorhandenen Ruhezustand stören, indem wir das Gewicht heben und den Kautschuk dehnen. — Die Form und Richtung der Kraftäusserung, welche uns zuerst das Vorhandensein dieser Kräfte documentirt, besteht aber darin, dass sich die Schwerkraft der Hebung des Gewichtes, d. h. der Vergrösse-rung des Zwischenraumes zwischen demselben und der Erde, — die Cohäsion der Dehnung des Kautschukstreifens, d. h. der Vergrösse-rung der unmessbar kleinen Zwischenräume zwischen den Molecülen desselben, wider setzt. Beide Kräfte äussern sich also zunächst in Form von Widerstand gegen die, durch die Triebkraft unserer Muskeln zu bewirkende Lag en Veränderung der Massentheileken im Raume ; sie äussern sich als B e w e g u n g h e m m endundvernic h-tend. Indem wir trotzdem das Gewicht heben, den Kautschuk spannen, wird der Widerstand überwunden, durch den sich beide Kräfte zunächst sichtbar äussern, und als Resultat des überwundenen Widerstandes erscheinen die Massentheileken in einer ganz bestimmten neuen Anordnung und Stellung im Raume. — Damit sind neue Bedingungen hergestellt worden, unter welchen die Kräfte, die den Massen des Gewichtes und der Erde einerseits, den Molecülen des Kautschuks andererseits innewohnen, ganz neue Aeusserungsformen annehmen und ganz neue Erscheinungen herbeiführen.
Wir drückten dies Alles bildlich so aus, dass wir sagten, wir hätten dem Gewichte durch das Emporheben, dem Kautschuk durch das Dehnen eine Quantität Triebkraft oder Energie »mitgetheilt«. die sie nun in Form von Spannkraft oder potentieller Energie »besässen« und in lebendige Kraft oder actuelle Energie »umsetzen« können. Denn in der That, wenn das gehobene Gewicht, der gespannte Kautschukstreifen sich frei überlassen werden, so entsteht sofort Bewegung von bestimmter Richtung und Geschwindigkeit, indem das erste zu Boden fällt und der letztere in seine ursprüngliche Gleichgewichtsgestalt zurückschnellt.— Haben wir nun aber den fraglichen Körpern wirklich irgend eine neue Kraft »mitgetheilt« ?« »Besitzen« sie nun wirklich irgend welche anderen Kräfte als welche ihnen, d. h. den Stoffelementen, aus denen diese Körper bestehen, ursprünglich innewohnen und ein unveräusserlicher Besitz der Materie sind ? — Und ferner, kan n denn überhaupt eine Kraft an die Stelle und den Sitz einer anderen Kraft sich begeben, oder tliatsächlick in eine andere Kraft sich »umsetzen«, sich »verwandeln« 2