	V. Austausch von Spannkraft und lebendiger Kraft.	235

Schwere, diesel b e Cohäsion, mag das Gewicht gehoben oder mit der
Erde in Berührung sein, der Kautschuk im gedehnten oder im unge-
dehnten Zustande sich befinden. - Was eigentlich geschehen ist, was
wir wirklich thaten, als wir das Gewicht gehoben, den Kautschuk-
streifen gespannt haben, bestand nicht in einer N cub e gabun g des
Stoffes mit einer ihm früher fremden ))Kraft((, sondern darin, dass wir
den Widerstand, d. h. ein gewisses Quantum der Bewegung hemmen-
den und vernichtenden Aeusserungsform der Schwere und Cohä-
sion, vermittelst der Bewegung erz e u g en den Acusserungsforin einer
anderen Kraft, d. h. vermittelst eines durch die fremde Kraft bewirk-
ten Bewegungsquantums üb er wand en.
	Das Resultat aber dieses Gegeneinanderwirkens oder Conflietes
der beiden diametral entgegengesetzt gerichteten Aeusserungen oder
Wirkungen, - der Schwere, resp. Cohäsion nämlich, als Widerstand
oder Bewegungshemmung einerseits, und der durch irgend eine fremde
Kraft erzeugten Bewegung andererseits, - war die Herstellung einer
ganz bestimmten Veränderung der räumlichen Anordnung und gegen-
seitigen Stellung der Massentheilchen und der ganzen Massen, in einem
der Wirkungsrichtung der Schwere und Cohäsion diametral entgegen-
gesetzten Sinne. Diese neue Stellung und Vertheilung der Stoffelemente
im Raume ist also stets eine gemeinschaftliche Arbeitsleistung b eider
Kraftwirkungen; sie ist die Summe, der Gesammteffect, in welchem
die Bewegung und der Widerstand, die als s ole h e nicht mehr vor-
handen sind, sich in Form von geleisteter Arbeit thatsächlich in un-
veränderter Quantität erhalten haben - insofern, als dieses ge-
meinschaftlich geleistete Arbeitsquantum eben in der neuen, ganz
bestimmten Anordnung und Vertheilung des Stoffes im Raume
besteht, welche anders und nicht gerade so, wie sie eben ist, hätte
ausfallen müssen, wenn nicht gerade diese Quantität der Wider-
standsäusserung mit dieser Quantität vorhanden gewesener Bewe-
gung in Conflict gerathen wäre.
	Mit der vollendeten Herstellung der neuen Anordnung und Stellung
der Massen und Massentheilchen sind die Zwischenräume zwischen den
Molectilen des Kautschuks wie zwischen Gewicht und Erde vergrössert
worden und betragen keinesfalls nur das mögliche Minimum, wie wenn
das Gewicht auf dem Boden liegt, der elastische Streifen entspannt ist,
wobei jede weitere Annäherung der Massen und Massentheilchen Un-
möglich ward. Zugleich sind, wie gesagt, sowohl Bewegung als Wider-
stand, die bei der Hebung und Spannung zur Aeusserung gelangten,
als solche, nicht mehr vorhanden, aber die Schwerkraft und die
Cohäsion sind in den Stoffelementen geblieben und müssen nun - wenn
