232 	Die Principien der mechanischen Naturauffassung.

- Wissen wir doch. dass nach dem Gesetze von der Erhaltung und
Unveränderlichkeit des Stoffe s, Kraft und Stoff gleich unzerstörbar
und unersehaifhar sind! Auf alle diese Fragen müssen wir entschieden
imt »Nein« antworten; es verhält sieh in Wirklichkeit das Alles anders,
als wir es uns nach dieser bildlichen Ausdrucksweise vorzustellen wohl
geneigt sein könnten.
	Zunächst ist festzuhalten, dass die Kraft ä us s er nn g, welche sich
beim Heben des Gewichtes, beim Dehnen des Kautschukstreifens gel-
tend gemacht und das Vorhandensein einer wirklichen »Kraft«, - der
Schwere dort, der Cohäsion hier, überhaupt erst doeumentirt hat, eine
Widerstaudsleistung ist. Die beiden genannten Kräfte wider-
streben eben der durch unsere Muskelkraft in der angegebenen Rich-
tung bewerkstelligten Veränderung der Stellung und Anordnung der
Massentheileheu im Raume, sie hemmen und vernichten die in
dieser Richtung als Wirkung einer fremden Kraft entstehende oder
vorhandene Bewegung, w ei 1 und insofern sie ihrer Natur nach in
dem Bestreben bestehen, Bewegung von entgegengesetzter Rich-
tung zu erzeugen; denn offenbar ist der Widerstand oder die Bewe-
guugs h em mu n g nichts Anderes als die eine Aeussernngsform dieses
Bestrebens selbst, dessen zw cite Aeusserungsform Bewegungs erz en-
gung ist.
	In der That, die Schwere und die Cohäsion, ja ganz allgemein
j e dc Kraft, mag es nun eine Auziehungs- oder Abstossungskraft sein,
besteht in dem Bestreben, die Stoffelemente, denen sie innewohnt, in
der ihr eigeuthümliehen Auziehungs- oder Abstossuugsrichtnug in Be-
wegung zu versetzen, - und es liegt ferner im Begriff und Wesen der
»Kraft« in diesem Sinne des Wortes, dass sie immer und unter allen
Umständen irgend eine Aeusseruugsform annehmen muss;
denn eine Kraft, die sieh nicht irgendwie, sei es durch eine sicht-
bare Veränderung oder durch eine andere, unmittelbar u i e h t wahr-
nehmbare Wirkung, äusserte - wäre eben gar nicht vorhanden. Ob
nun aber eine irgendwo vorhandene Kraft die eine oder die andere
Aeusseruugsform annimmt, ob sie eine unmittelbar oder nur mittelbar
wahrnehmbare Wirkung hervorruft, das hängt erfahrungsgemäss von
den Umständen ab, ebenso wie die verschiedenen Arten, in denen die
sichtbaren Veränderungen sich kundgeben.
	Der Natur der Sache nach besteht jede Veränderung entweder in
der Störung einer ruhigen Anordnung und Vertheilnug der Stoffele-
mente im Raume, also in der Erzeugung und Beschleunigung
einer Bewegung, - oder aber in der Störung der Geschwindigkeit oder
der Richtung einer, als Wirkung einer anderen Kraft vorhandenen
