	V. Austausch von Spannkraft und lebendiger Kraft.	233

Bewegung, also in einer Bewegungsh em in ung und Vernichtung;
denn es vermag die Kraft natürlich in so lange ihre Bewegung erzen -
gende Aeusserungsform nicht anzunehmen, d. h. solange keine wirk-
liche Bewegung in der ihr eigenthümlichen Wirkungsrichtung zu erzeu-
gen, als sie entweder durch eine in entgegengesetzter Richtung
vorhandene Bewegung als Widerstandsleistung überwunden wird,
oder durch ein ihrem Bewegung erzeugenden Bestreben das Gleich-
gewicht haltendes Hinderniss in Anspruch genommen ist.
Wir haben also drei Fälle zu unterscheiden:
	Erstens, es liegt das Gewicht auf dem Boden, der
Kautschukstreifen ist unge dehnt. Beide Kräfte, die Schwer-
kraft des Gewichtes wie die Cohäsiou des elastischen Streifens, befin-
den sich hier unter den an letzter Stelle angeführten Umständen, beide
werden nämlich durch ein ihrem Bewegung erzeugenden Bestreben das
Gleichgewicht haltendes Hinderniss in Anspruch genommen. Beide
Kräfte äussern sich unter diesen Umständen gar nicht; sie führen keine
irgendwelche Veränderung herbei, und wir wurden daher, wie schon
bemerkt, keine Ahnung von ihrem wirklichen Vorhandensein haben.
Weder leisten sic einen wahrnehmbaren Widerstand, da keine
durch eine andere Kraft bewirkte wahrnehmbare Bewegung vorhanden
ist, die gehemmt oder vernichtet würde; noch können sie ihre B c w e -
gun g c r z e u gen dc Form annehmen und wirkliche Bewegung her-
vorrufen, indem bei der Berührung zwischen Gewicht und Erdboden,
und ebenso bei der vollständigen Abspannung des Kautschukstreifens
einer weiteren Verkleinerung der Zwischenräume zwischen den Mole--
eulen des Kautschuks, und zwischen den Molecülcn, aus welchen die
Massen an jenen Punkten bestehen, wo sich das Gewicht und der Erd-
boden berühren, in Folge der abstossenden Kräfte der Materie ein
unüberwindliches Hinderniss entgegensteht. Da aber die Schwere und
Cohäsion, trotzdem wir keine Veränderung wahrnehmen, unzweifelhaft
vorhanden sind, und jede »Kraft« in dem hier gebrauchten Sinne des
Wortes als ein unzerstörbares, dem Stoffe innewohnendes Etwas selbst-
verständlich immer und unter allen Umständen irgendwie sich äussern
muss; so kann die Acusserungsform der Schwere und Cohäsion hier
nur in einem ruhigen Druck, in einer andauernden gegenseitigen
Pressung der Molecüle im Sinne der Wirkungsrichtung der Kräfte,
ohne jeden weiteren Effect, bestehen. Wir drückten dieses Verhält-
niss früher so aus, dass wir sagten: das mit der Erde in Berührung
befindliche Gewicht, der ungcdchntc Kautschukstreifen besitzen gar
keine Trieb kraft. In Wirklichkeit heisst dies aber: die Schwer-
kraft, welche die Massen des Gewichtes und der Erde, die Cohäsion,
