	VI. Allgemeines Maass der mechanischen Arbeit.	245

wir berzeugen uns leicht, dass der schliesslich erzielte Effect, das
Quantum der whrend einer bestimmten Zeit geleisteten Arbeit, nie-
mals grsser ist, als das Quantum der Triebkraft, welche wir whrend
dieser Zeit aufwenden.
	Wir knnen allerdings vermittelst eines Hebels 2 Pfund durch
1 Pfund heben; aber whrend das Pfundgewicht 2 Fuss fllt, steigt
das doppelt so schwere Gewicht nur auf die halbe Hhe; die Anzahl
der Fusspfunde geleisteter Arbeit und der ins Spiel gekommenen
lebendigen Kraft bleiben sich absolut gleich. Ja, die totale Arbeits-
grsse, d. h. die Summe aus dem Quantum der ursprnglich als
Spannkraft vorhanden gewesenen Triebkraft und dem Quantum
der in der gegebenen Zeit wirklich geleisteten mechanischen Arbeit
ist sogar immer merklich kleiner, als dem ursprnglichen Spaunkrafts-
quantum eigentlich entspricht; denn dieses htte dass e lb e Quantum
Arbeit in kurz crc r Zeit leisten knnen, wenn nicht ein Theil der
Triebkraft zur Ueberwinduug des Reibungswiderstandes u. s. w. dem
mechanischen Nutzeffect verloren gegangen wre. You einem Gewinn
an Arbeitskraft ist also hier in keiner Richtung die Rede.
	Dies gilt ebenso auch fr den Flaschenzug und die Winde. Beim
Gebrauch dieser Maschinen fllt noch ein anderer Umstand, nmlich
das Yerhltniss, in welchem die Geschwindigkeit, mit welcher sie eine
bestimmte Arbeitsleistung verrichten, zu dem scheinbar erzielten Kraft-
gewinn steht, ganz besonders in die Augen. Ich kann z. B. ver-
mittelst dieser Winde mit sehr geringer Anstrengung ein Gewicht, das
ich mit freier Hand kaum zu heben im Stande bin, 1 Fuss hoch heben;
um es aber 6 Fuss hoch zu heben, brauche ich 6mal so viel Zeit, wenn
ich die Anstrengung nicht entsprechend vergrssern will. Ich habe
also schliesslich doch keine Kraft gewonnen, sondern gerade so viel
verbraucht als eben nthig ist. Auch hier handelt es sich daher nur
um eine verschiedene Yertheilung und Verausgabung des zur Er-
reichung eines Effectes nthigeu Kraftvorrathes in der Z ei t.
	Was auf den ersten Blick als Ausnahme erscheinen knnte, dient
bei genauerer Betrachtung nur dazu, die allgemeine Regel zu best-
tigen: es kann nirgends Kraft verloren, nirgends Kraft gewonnen
werden.
