	VII. Das mechanische Aequivalent der Warme.	2,47

Sie am Steigen des Thermometers deutlich sehen können. Oeffne ich
nun wieder den Manometerhahn, so wird die Quecksilbersäule gleich-
falls in dem äussern Schenkel des Manometers gehoben, es wird also
wieder mechanische Arbeit geleistet. - Entferne ich die Wärmequelle,
nachdem ich vorher so viel Quecksilber ausfliessen liess, dass es wie-
der in beiden Schenkeln des Manometers gleich hoch steht, so steigt
es im inneren Schenkel empor; denn in dem Maasse, als die Luft im
Glasballon ihre Wärme und vermehrte Spannkraft oder Abstossungs-
kraft der Molecule verliert, druckt die äussere Luft die Quecksilber-
säule im äussern Schenkel herab und macht, dass sie im innern empor-
steigt. Wir lernen so in der Wärme eine neue Form von Triebkraft
kennen, die Ihnen überdies aus unseren gewaltigen Motoren, den
Dampfmaschinen, längst bekannt ist; denn wie Sie Alle wissen, ist es
eben die moleenläre Ausdehnung des Wasserdampfes, die den Kolben
und alle mit ihm in Verbindung stehenden Theile bewegt. Was Ihnen
aber kaum bekannt sein durfte, das ist, dass sich die Wärme unter
Umständen in mechanische Kraft umsetzen kann, auch ohne zugleich
einen thermischen Effect, d. h. ohne ein Steigen des Thermometers,
eine weitere Steigerung der Temperatur hervorzubringen, so dass sie
dann ganz und unmittelbar als mechanische Arbeitskraft erscheint.
	Benutzen wir einen dem vorigen analogen Apparat, füllen aber
den Glasballon diesmal nicht mit Luft, sondern mit Wasser. Im An-
fangsstadium des Versuches bringt die Wärme, wie vorhin an dem
lnftgefülltcn Apparat, beide Wirkungen hervor, nämlich: erstens,
einen thermischen Effect, Temperatursteigerung: zweitens, mecha-
nische Arbeit. Diese letztere pflegt man in eine innere und äussere zu
unterscheiden. Die innere Arbeit besteht in der Vergrösserung der
nnmessbar kleinen Zwischenräume zwischen den Molcdulen des Was-
sers; denn damit die Wärme dieses gewaltsame Auseinandertreiben
der Molecule bewirke, muss sic den Widerstand, dem sic in der gegen-
seitigen Anziehungskraft derselben Wassermolcdüle begegnet, über-
winden, muss also Arbeit leisten, und diese Arbeit wird als innere
bezeichnet. Nachdem nun aber das Volumen der erwärmten Wasser-
masse vergrössert worden, die Flüssigkeit jedoch in unnachgiebige
Wände eingeschlossen ist, so hebt sie die Wassersäule und leistet da-
mit äussere mechanische Arbeit. - Doch dies nur beiläufig. Ihr
hauptaugenmerk wollen Sic dem erwärmten Ballon zuwenden. Beach-
ten Sic nun wohl: von dem Moment an, wo die Temperatur des Was-
sers 1000 C. erreicht hat und Wasserdampf entsteht, fährt wohl die in
derselben Menge wie früher zugeleitete Wärme fort, ihre mechanische
innere und äussere Arbeit zu leisten, aber ein weiterer thermi-
