250 	Die Prineipien der mechanischen Naturauffassung.

in seiner Bewegung verzögert wurde. Die Reibung der Flüssigkeits-
theilehen gegeneinander, an den festen Hindernissen und an den Rad-
schaufeln, entwickelte eine Wärmemenge, die nach dem Temperatur-
znwaebs der verschiedenen Theile des Apparats leicht zu bestimmen
war. Die aufgewendete Triebkraft oder Arbeit zur Unterhaltung der
Drehung des Schaufelrades war gegeben durch den Fall des treibenden
Gewiehts. Unter Berücksichtigung der Correetioneu, welche die Rei-
bung der beweglichen Theile der Maschine ausserhalb der ealorime-
trisehen Theile derselben nöthig macht, ergab sieh dann unmittelbar
das Verhältuiss zwischen der aufgewendeten Arbeit und der erzeugten
Wärmemenge.
Während so das Quantum der verbrauchten Triebkraft von JOULE
mit der entstandenen Wärmemenge verglichen ward, bedurfte es auch
einer Reihe von Versuchen, bei welchen umgekehrt die verschwindende,
d. h. aufgewendete Wärmemenge verglichen ward mit dem
Quantum von Trieb krft, welche dadurch entsteht, also mit dem
Quantum Arbeit, welches durch die verbrauchte Wärmemenge geleistet
wurde. In dieser Richtung stellte HIRN seine Versuche an und auch
ihm gelang es, seinen Zweck vollkommen zu erreichen.
	Als das mechanische Aequivaleut der Wärme hat sieh nun ans
allen diesen Versuchen mit Sicherheit die Zahl 425 herausgestellt. Sie
drückt aus, dass es, als mechanische Leistung betrachtet, genau das-
selbe thun heisst, ob mau eine Wärmemenge erzeugt, die im Stande
ist, die Temperatur eines Kilogramm Wasser um 1 0 Celsius zu erhöhen,
- was man eine Wärme einheit oder Calorie nennt oder ob man
ein Gewicht von I Kilogramm auf 425 Meter Höhe emporhebt. Für jede
Wärmeeinheit, die verschwindet entsteht ein Quantum Arbeit von 425
Kilogrammmetern; so wie das Quantum Arbeit, welches 1 Kilogramm
leisten kann, das 425 Meter hoch herabfällt, im Stande ist, die Tempe-
ratur von 1 Kilogramm Wasser um 10 C. zu erhöhen. - Kurz, der me-
chanische Kraftaufwand ist für beide Leistungen genau gleiehwerthig.
Und dieses Aequivaleuzverhältniss gilt ganz allgemein, d. h. in allen
Fällen, wo eben für und durch den Verlust oder Verbrauch von einer
Wärmemenge eine Quantität Triebkraft oder Arbeit entsteht, und um-
gekehrt, - welches auch die Umstände, (lie Mittel und Vorgänge einer
solchen Transformation sein mögen.
