238 	Die Prineipien der mechanischen Naturauffassung.

kleinen und grossen Stsse an den benachbarten Krpern allmhlich
verzgert und vernichtet wurde, indem sie sieh dabei in Wrme ver-
wandelt, d. h. in Geschwindigkeit oder Bewegung der unmessbar klei-
nen Massentheilehen, die daher unmittelbar und als s ol eh e sinnlich
nicht wahrnehmbar sein kann. Nur Ein eciatantes Beispiel. Wenn ein
Eisenbahnzug, der sieh mit einer Geschwindigkeit von fnf deutschen
Meilen in der Stunde fortbewegt, in die Nhe einer Haltestelle gelangt,
so sperrt man den Hahn zum Kolben, so dass demselben keine neue
Triebkraft mehr zugefhrt wird. Dass der Zug nicht sofort darauf
stehen bleibt, ist darin begrndet, dass er noch Triebkraft in Form von
erlangter Geschwindigkeit besitzt. Um ihn zum Stehen zu bringen.
muss daher noch die Bremse angewendet werden, - nun sprhen als-
bald Bauch und Funken aus dein Bade, auf welches die Bremse
druckt und nun erst kommt der Zug zum Stillstand. Wodurch 1
Einfach dadurch, dass die ganze Geschwindigkeit, welche der Zug be-
sitzt, vermittelst der Bremse in Geschwindigkeit der kleinsten Massen-
theilehen inner Ii alb der sieh reibenden Metallstucke, d. b. in W r in e
verwandelt wird! Auf Kosten der Bewegung der ganzen Massen ist
eine quivalente Menge Bewegung der kleinsten Massentheilehen in-
nerhalb des Eisens des Bades und der Bremse entstanden, die durch
die Bewegung des Zuges an einander geriebenen Massen haben sieh
erhitzt!
	Dieses Beispiel mag gengen, um Ihnen zu zeigen, wie sieh die
lebendige Kraft oder die erlangte Geschwindigkeit der bewegten gro-
ben Massen fortwhrend in Wrme verwandelt, indem sie sieh auf die
kleinsten Massentheilehen bertrgt. Aehnlieh verliert die abgeschos-
sene Kugel allmhlich ihre lebendige Kraft, indem sie dieselbe den
Massen und Massentheilehen mittheilt, \velelse sie auf ihrem Wege
trifft.
	Nach all diesen Thatsaehen und bei dem neuen Lichte, in dem sie
Ihnen jetzt erscheinen, muss sieh Ihnen wohl schon die Ahnung davon
aufdrngen, dass die Begrndung und Ausbildung der mechanischen
Wrmetheorie den grossartigsten Fortschritt der Naturwissenschaft in
der Richtung nach jenem Ziele bezeichnet: mlles Geschehen, alle
Vernderungen in der Natur auf Bewegungsvorgnge,
alle Naturkrfte auf die einfachen Anziehungs- und
Ahstossungskrfte der Uratome und ihrer Coinplexe
zurckzufhren - oder mit anderen Worten, die ganze Na-
tnrwissensehaft in analytische Mechanik zu verwan-
deln. Denn durch die Einsieht in das eigentliche Wesen der Wrme
und durch die lCenntniss des mechanischen Aequivalents der Wrme
