﻿VIII. Wärme ist wesentlich Bewegung, — die Art derselben.
255
Sie, wie das in ihr befindliche kalte Wasser sehr bald zum Kochen kommt — schon nach zwei und einer halben Minute.
Nicht viel später als Rumförd machte Davy einen anderen Versuch, dessen Beweiskraft gegen die Stofflichkeit des Wärmeprincipes von mancher Seite für noch schlagender und unwiderstehlicher gehalten wird, als die des Rumford’sehen Versuchs. Davy nahm zwei glatte Stücke Eis und liess sie durch einen besonderen Apparat, dessen Temperatur wie die der ganzen Umgebung des Eises sorgfältig auf derselben Höhe, auf oder unter dem Gefrierpunkt von 0° dauernd erhalten wurde, rasch und kräftig gegeneinander reiben. In Folge dessen entstand nichts desto weniger so viel Wärme, dass beide Eisstücke an den gegeneinander geriebenen Berührungsflächen zu schmelzen begannen und in kürzester Zeit zerschmolzen. — Woher konnte nun unter diesen Umständen die Wärmemenge stammen, welche erfahrungsge-mäss nötliig ist, um den festen Aggregatzustand der Eismolecüle in den flüssigen des Wassers zu verwandeln? Eine Wärmemenge, die gar so gering nicht ist, da jedes Kilogramm Eis von 0° bekanntlich 79 Wärmeeinheiten zugeführt erhalten und absorbiren, d. h. »latent« machen muss, wenn es sich in flüssiges Wasser von 0° Temperatur verwandeln soll.
Aus den Bestandtheilen des die Bewegung und gegenseitige Reibung der Eisstücke bewerkstelligenden Apparats konnte die nöthige Wärmemenge ebenso wenig stammen, als aus der die Eisstücke umgebenden Luft, da, wie gesagt, sowohl der ganze Bewegungsapparat als die Umgebung der Eisstücke durch künstliche Mittel andauernd auf oder unter dem Gefrierpunkt von 0° erhalten wurden. — Sie konnte aber natürlich auch nicht geliefert werden durch eine Entbindung der latenten Wärmemengen, welche das Eis bis 0° allerdings noch immer enthält — wie wir aus der Möglichkeit, seine Temperatur noch weiter, unter 0° zu erniedrigen, sehen — indem dieselben kaum halb so gross sind, als jene »latenten« Wärmemengen, welche das Wasser factisch enthält und enthalten muss, wenn es bei 0° seinen flüssigen Aggregatzustand annehmen und erhalten soll !
So sehen Sie denn, wie der sinnreiche DAVY’sche Versuch im Sinne der alten materiellen Wärmetheorie absolut unerklärlich bleibt und zu dem zwingenden Schlüsse berechtigt, dass die Wärme absolut kein Stoff sein kann, der dem Eise von irgendwoher zugeleitet und in demselben angehäuft wird, weil sich, wie wir sahen, unter den künstlich hergestellten Bedingungen des Versuches nirgendwo die zum Schmelzen des Eises nöthige Wärmestoffmenge findet. Der Versuch berechtigt zu dem weiteren Schlüsse, dass die Wärme ein Etwas sein muss, welches