viii.

Wrme ist wesentlich Bewegung, - die Art derselben.


	Nachdem wir die engste Beziehung zwischen Wrme und meeha-
niseher Arbeit, ja sogar fur die Wrme ein mechanisches Maass, ihr
sogenanntes mechanisches Aequivalent aufgefunden haben, so dass wir
jetzt Wrmemengen durch Fusspfunde oder Kilogrammmeter ebenso
gut messen und numerisch ausdrucken knnen wie durch Wrmeein-
heiten oder Calorien - liegt uns natrlich nichts nher, als nach dem
eigentlichen We s en der Wr m e zu fragen. Ist die Wrme ein be-
sonderer S to ff? oder ist sie etwas Anderes, also nur ein Zustand
des Stoffes, welchen man nach Belieben hervorrufen und wieder ver-
schwinden machen kann?
	Die ltere, sogenannte materielle Wrmetheorie erklrte
die Wrme fur einen beraus feinen, imponderablen, d. h. gewicht-
losen Stoff, Caloricnm oder Wrmestoff, der nur das mit den brigen
ponderablen Stoffen gemein habe, dass er, wie diese, ebenso nner-
sehaffbar und unzerstrbar in seiner Quantitt als unvernderlich in
seinen Eigenschaften sein sollte. Diese materielle Wrmetheorie sucht
die thatsehliehen Wrmephnomene folgendermassen zu erklren:
	Wo Wrmemengen vernichtet zu werden scheinen, da soll das
Caloricum oder der Wrmestoff nur zwischen die Theilehen der pon-
derablen Materien, so zu sagen, sich verkriechen oder verstecken, wie
man sich ausdrckte, latent werden, ganz hnlich wie bei den ehcmi-
sehen Verbindungen die Eigenschaften der Elementarstoffe in der neuen
Verbindung nur unwahrnehmbar verborgen sind. Umgekehrt in jenen
Fllen, wo Wrmemengen scheinbar neu erzeugt wrden, da sollte das
latent vorhandene Caloricum nur ans seinen Schlupfwinkeln und Ver-
stecken hervorgetrieben und an anderen Orten im Raume angehuft
werden, analog wie beim Zerlegen der chemischen Verbindungen die
Stoffe mit ihren ursprnglichen Eigenschaften wieder wahrnehmbar
werden.
