252 	Die Prineipien der mechanischen Naturanffassmig.
	Zur Erklärung der verschiedenen Erscheinungen, welche sich beim
Erwiirnien und Erkalten der verschiedenen Substanzen, beim Wechsel
tier Aggregatznstiiude derselben u. s. w. zeigen, wurde den ponderablen
Körpern eine verschiedene Fähigkeit zugeschrieben, grössere oder klei-
nere Mengen des Caloricums oder Wärmestoffs aufzunehmen und zu
binden. Diese Fähigkeit, bestimmte verschiedene Mengen latent zu
machen, nannte man the speeifisehe »Wärmeeapaeitii» tier Körper.
Von allen Wärmeerscheinungen hot the thatsächliehe Möglichkeit,
(in r eh rein me eh an is eh e Mittel Wärme zu erzeugen, die grösste
Schwierigkeit einer befriedigenden und ungezwungenen Erklärung
nach der materiellen Wärmetheorie. Em z. B. zu erkliiren, warum eine
Bleikugel, the wir hämmern, warm wird, musste man annehmen, dass
durch das Häiomern the Zwischenräume zwischen don Bleitheilehen,
in welche sieh das Calorieum oder der \Värmestoff versteckt haben und
»latent« gewortien sein sollte, verkleinert wurden und nun nicht mehr
dieselbe Wiirmemenge beherbergen könnten wie zuvor.
	Diese Annahme welche im ersten Augenblick noch leidlich plau-
sibel erscheint, ist jedoch völlig unstatthaft und ungenügend, und zwar
gebührt das Verdienst, dies durch schlagende Versuche nachgewiesen
und damit den ersten vernichtenden Stoss gegen the materielle Wärme-
theorie geführt zu haben, dem Engländer Grafen iluIFonn , welcher
sein Verdienst noch tiatiureh erhöhte, dass er aus den Resultaten seiner
Versuche mit unvergleichlichem Scharfsinn zugleich auch eine andere.
weit bessere Vorstellung vom Wesen tier Wärme entwickelte, the
,andeutungsweise allerdings schon in BAeo's »Novum organon» und in
LOCKE'S Schriften erwähnt - thatsächlich the Grundlage unserer mo-
dernen, im Gegeusatze zur gestürzten materiellen, sogenannten tlyn a-
mischen oder mechanischen Wärmetheorie bildet.
Graf RUMFORD, in weiteren Kreisen nur als Philanthrop durch die
nach ihm benannte Armensuppe bekannt und berühmt, hat schon 179s,
als er Vorstand der Münchener Kanonengiesserei war, seinen schönen
Versuch über die L'mmvantilung von mechanischer Arbeit in Wärme
angestellt, welcher unter seinen Händen epochemachend werden sollte.
Es ist sehr lehrreich und anziehend, RnrFOrtD's echt naturwissenschaft-
lichen Gedankengang zu verfolgen, weshalb ich denselben kurz und
zum Theil mit RUMFORD's eigenen Worten skizziren will.
	iJeberraseht von den bedeutenden Wärmemengen, welche sieh
beim Ausbohren tier Kanonen entwickeln, stellt und beantwortet sieh
Rv'MFOni) im Sinne tier damaligen materiellen Wärmetheorie die \yieh-
tige Frage »Woher stammt the Wärme, welche bei tier mechanischen
Arbeit ties Kanonenbohrens faetisch entwickelt wird? Geht dieselbe
