	VIII. Wärme ist wesentlich Bewegung - die Art derselben.	239

ist U115 nun auch die mechanische Behandlung und Auffassung all e r
übrigen Naturkräfte ermöglicht.
	Der Begriff und das Maass der mechanischen Arbeit ist nämlich,
wie wir sehen werden, erfahrungsgemäss auf alle Naturproeesse und
auf alle arbeitsfähigen Naturkräfte verwendbar - und immer deut-
licher wird das Gesetz von der Erhaltung der Kraft in unveränderter
Quantität, bei fortwährendem Wechsel der Erscheinungsform und des
Ortes im Raume, uns entgegentreten. -

	Welcher Art ist nun aber die Bewegung der Stofftheilehen,
werden Sie sicher fragen, die sich uns als Wärme kund gibt? [in
Ihnen hierauf zu antworten, muss ich an die Vorstellungen von der
atomistischen Constitution der Materie anknüpfen, deren Auseinander-
setzung ich eine der früheren Stunden gewidmet habe.
	Sie erinnern sich, dass nach den erfahrungsgemäss berechtigten
Lehren der Atomistik die groben Massen oder Molen, welche wir sinn-
lick wahrnehmen, aus Aggregaten sinnlich nicht mehr wahrnehmbarer,
durch ummessbar kleine Zwischenraume von einander getrennter Thieil
ehen oder Molecüle bestehen, welche selbst wieder ans noch kleineren,
ebenfalls durch Zwischenriiume getrennten, chemisch gleichartigen
oder ungleichartigen Atomen zusammengesetzt sind, und dass schliess-
lick auch die chemischen Atome aus einer bestimmten Anzahl und
Gruppirung you unendlich kleinen disereten Uratomen hervorgehen,
welche von zweierlei Art sind die sogenannten Körpcratoine und (lie
sogenannten Aetheratome, welche letzteren in dc Zwischenrämne zwi-
seImen den Körper-llratomen sowohl als in (lie Zwischenräume zwi-
schen den chemischen Atomen, und endlich auch in die Zwischenräume,
welche die Molecule von einander trennen, eingelagert sind, und durch
ihre Abstossungskraft ein Zusammenfallen und Sich-Berühren tier
gegenseitig sich anziehenden Körperatome und Atomcomplexc verhin-
dern. Wir gewinnen in solcher Weise die Vorstellung eines Ac th er -
in c c r c s, welches den ganzen Weltraum nicht nur zwischen den Welt-
körpern und den irdischen ponderablen Massen oder Molcnaggrcgaten
erfüllt. sondern die letzteren auch durchdringt, indem es in und zwischen
(lie Molecule, ja selbst zwischen und in die Atome eindringt. Der inter-
und intramolcculare Aether bildet so ein zusammenhängendes Ganzes,
(las indess innerhalb der verschiedenen Körper verschiedene Dichtig-
keit und Spannung besitzt, und das Medium wie den Schau- und Tum-
melplatz für die verschiedensten Bewegungsvorgänge darbietet. Jede
Störung des Gleichgewichtszustandes, welche irgendwo im Aether-
meere entsteht, wird, nach den angeführten Prämissen, sich fort-
1 7*
