IX. Chem. Affe., Elektric., Elektro-Magn., Licht: Bewegungsformen. 267

chemischen Arbeit der Wasserbildung. Die Triebkraft, also hier die
befriedigte chemische Anziehungskraft oder Affinität, hat sieh so zu
sagen in die Triebkraft in Form von Wärme verwandelt, wie die
Schwere in Geschwindigkeit der fallenden Massen: die Triebkraft ist
aufgewendet, verschwunden: aber nicht vernichtet, sondern ist in an-
derer Form zwar, aber der Quantität nach unverändert erhalten geblie-
ben. So lange sich aber Wasserstoff und Sauerstoff unbewegt und
unverbunden gegenüber stehen, bleibt (lie Affinität unbefriedigt, so zu
sagen im Zustand einer Spannung, wie der Zug der Schwerkraft eines
am Fallen gehinderten Gewichtes. Die ganze »Energie« der chemi-
schen Agentien ist unter diesen Umständen »potentiell«, und wir können
sagen, dass ein Kilogramm Wasserstoff unter Berücksichtigung seiner
Affinität zu Sauerstoff, eine »potentielle Energie» oder »Spaunkraft« von
34,162 Caloricen oder 14,646,350 Kilogrammmetern besitzt, gerade
so wie ein 40 Meter über dem Erdboden aufgehängtes Gewicht von
5 Kilogramm 200 Kilogrammmeter oder 0,47 Calorieen repräseutirt.
	Vom Kohlenstoff und Sauerstoff cxistircn zwei Verbindungen. Koh-
lenoxyd und Kohlensäure 'CO und C 02, welche zwei Oxydationsstufen
oder Verbrennungsgrade bezeichnen. Der Versuch lehrt, dass: I Kilo-
gramm Kohlenstoff bei seiner Verbrennung zu Kohlenoxyd 2473 Cab-
riecn gibt. Beim Uebergang aus dieser ersten in die zweite Oxydations-
stufe entstehen noch 5607 Calorieen. Wird dagegen 1 Kilogramm Koh-
lenstoff sofort vollständig zu Kohlensäure C 02 verbrannt, so entstehen
8050 Calorieen. Wir können also sagen, die chemische Energie des
Kohlenstoffs mit Rücksicht auf seine Affinität zu Sauerstoff ist 5050
Calorieen oder 3,434.005 Kilograminmeter Diese totale Energie des
Kohlenstoffs in Gegenwart des Sauerstoffs bleibt so lange ganz poten-
tiell oder chemische Spannkraft, so lange nicht irgend eine chemische
Beaction zwischen beiden Stoffen begonnen hat; sie verharrt ihrer gan-
zen Quantität nach unter der Form der Affinität. Sie erscheint dagegen
aetnell, nach vollendeter Verbrennung des Kohlenstoffs zu Kohlen-
säure: sie ist dann ganz disponibel in Form von Wärme. - Macht der
Kohlenstoff, anstatt auf einmal zu Kohlensäure zu verbrennen, die bei-
den Oxydationsstufen nach einander durch, verbrennt er zuerst zu 
Koh-lenoxyd, und dieses dann weiter zu Kohlensaure, so wird die totale
Energie des Kohlenstoffs in zwei Hälften getheilt. Während der eine
Theil bereits aetuell geworden ist und den durch die Kohlenoxydhil-
dung erzeugten 2473 Caloricen entspricht, bleibt der zweite Theil der
totalen Energie noch potentiell, denn der Kohlenstoff im Kohlenoxyd
besitzt noch 5607 Calorieen chemischer Spannkraft, die erst dann auf-
gewandt wird. wenn (lie Bildung von Kohlensäure vor sieh geht. Wir
