﻿IX.
Chemische Affinität, Elektricität, Elektro-Magnetismus, Licht — insgesammt gleichfalls Bewegungsformen.
Der Versuch, bei welchem wir die Wärme als eine Form der Triebkraft kennen lernten, bestand, wie Sie sich erinnern, darin, dass wir einer, in einem festwandigen Gefässe eingeschlossenen Wassermasse fortwährend Wärme zuführten. Die Folge davon war, dass die Temperatur des Wassers stieg und die Molecule desselben aus einander gedrängt wurden, so dass sein Volumen zunahm. Durch diese Volumenzunahme wurde in dem benützten Apparat mechanische Arbeit geleistet. Die zugeführte Wärme hatte diese beiden Effecte gleichzeitig bewirkt. Als sich nun aber das Wasser auf 100° erhitzt hatte und in Dampf zu verwandeln begann, horte das Steigen der Temperatur auf, dagegen fuhr der Apparat fort, mechanische Arbeit zu leisten, und wir überzeugten uns, dass die dem Wasser zugeführte Wärmemenge, welche als solche, d. h. für das Gefühl und das Thermometer , verschwand, in einer bestimmten mechanischen Arbeitsleistung zur Erscheinung kam. Wir sahen, so zu sagen, wie die Wärme ganz und gar sich in mechanische Triebkraft, in Form von lebendiger Kraft oder erlangter Geschwindigkeit, umsetzte.
Erinnern wir uns nun, auf welche Weise und wodurch wir die Wärme oder Triebkraft seihst erzeugt haben; es war eine Spiritusflamme , vermittelst welcher wir den Glasballon und seinen Inhalt erwärmten. Und wie war die Spiritusflamme entstanden? Durch die Verbrennung des Spiritus, d. h. durch die Vereinigung seiner Bestand-theile, der Kohlenstoff- und Wasserstoffatome, mit den Sauerstoffatomen der Luft zu Kohlensäure ;C02 und Wasser IEO., eine Vereinigung, welche durch die sogenannte Affinität oder chemische Verwandtschaftskraftbewirkt wird. Das Wesen dieser Affinität aber haben wir ein Recht, uns gleichfalls als eine einfache mechanische Anziehungskraft zu denken, die hier zwischen den chemischen