282 	Die Principien (icr mechanischen Naturauffassung.

leisten, mit dem Maasse der mechanischen Kraft sich messen lassen und
nach ganz bestimmten, in diesem Maasse ausdrüekbaren Aequivalenten
sich gegenseitig Wirksamkeit verleihen, oder, wie der bildliche Aus-
druck lautet, in einander sieh transform iren. Aber sehen wir zu,
was wir unter diesem bildlichen Ausdruck, der sieh allerdings durch
seine Kürze und Bequemlichkeit empfiehlt und eingebürgert hat,
eigentlich meinen, d. h. was denn im Sinne unsrer mechanischen Natur-
auffassung wirklich und eigentlich vorgeht, wenn sich, wie wir sagten,
eine Kraft in (lie andere transforniirt. was ja ein logischer Widcrsprnch
ist. Ich werde in meiner Erörterung so Manches wiederholen müssen,
was ich Ihnen bereits bei einem früheren Anlasse fiber (las Wesen all
dieser Vorgänge und verscbiedcneu Erscheinungsformen mitgetheilt
habe aber scheuen Sie die Mühe nicht, mir von Neuem aufmerksam
zu folgen. (lie Wichtigkeit des Gegenstandes verdient es vollkommen.
	Nach der modernen naturwisscnsehaftlichen Anschauung besteht,
wie Sie wissen, (lie Materie aus unzählbaren, disereten , d. h. (lurch
Zwischenräume getrennten, unmessbar kleinen Theilehen, den soge-
nannten Körperatomen und Aetheratomen (lie ersteren sind (lie Sitze
der Anziehungskraft, (lie letzteren (lie Sitze der Abstossungskraft.
Diese Anziehungs- und Abstossungskräfte sind sogenannte Central-
kriifte. d. h. sic wirken gleichmässig von einem Centralpunkte aus in
geraden Linien nach allen ihehitungen des Itaumes hin, und (lie Inten-
silät ihrer Wirkung ist nur eine Function der Entfernung. Alle 
Bewe-gungskräfte, die uns in den Naturerscheinungen entgegentreten. sind
nichts als verschiedene Aeusserungsfornien der eben genannten beiden
I rkriifte. So ist (lie A ffi nit it t nicht etwa eine neue Kraft, sondern
einfach (lie Coiulination oder Besultante der Anzieliuugs- und Ab-
stossungskräfte der zu uninesshar kleinen Ganzen den ehieuisehien
Atomen - verknüpften Körper- und Aetheratome. - Dasselbe gilt
von der Anziehungskraft oder C o hit si on zwischen den Molceülcn der
Körper, welche aus der Zusaninienordnung einer bestimmten Anzahl
von chemisch gleichartigen oder elieuiiseh ungleichartigen Atomen als
kleine Ganze von höherer Ordnung. aber noch immer von uninessbarer
Kleinheit hervorgehen. Audi (lie Coloision ist also keine neue Kraft,
sondern letzten Endes nur eine Combination oder l{csultante der den
Aether- und Körperatonien innewohnenden Anziehungs- und Ab5t05-
sungskriifte. -- Endlich ist (lie Schwere oder Gravitation, welche
auf messbare, ja ungeheure Entfernungen die Massen oder Molen,
die aus Aggregaten von Molecülen bestehen, gegen einander zieht,
gleichfalls keine neue Kraft, sondern zuletzt immer nur (lie Summe
der Anziehungs- und Ahistossuugskröfte . welche den in bestimmter
