Ueber den Bau und Mechanismus des menschlichen Krpers. 	299

	Wo steckt dieses so wunderbare und so leicht verletzliche Etwas?
Das werden Sie sogleich erfahren, wenn Sie die folgenden Thatsaehen
in Erwgung ziehen.
Es ist oft genug vorgekommen, dass Leute derart durch Stich oder
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3 , ss im Nacken oder Rcken verwundet worden sind, dass das
Rckenmark an dieser einen Stelle vollstndig durchgetrennt wurde,
whrend gar keine Verletzung oder Erschtterung irgend welcher an-
deren Theile stattfand. In diesen Fllen waren die Leute gleichfalls
zusammengestrzt und hatten die Macht aufrecht zu stehen verloren
	ohne dass jedoch - wie bei den auf den Kopf geschlagenen-die
Klarheit ihres Bewusstseins auch nur fur einen Augenblick getrbt
worden wre! Aber nicht bbs die Kraft aufrecht zu stehen, sondern
berhaupt alle und jede Fhigkeit irgend eine, wenn auch noch so
schwache willkrliche Bewegung mit den Muskeln jener Krpertheile
auszufhren, welche sieh unterhalb der querdurchgetrennten Rcken-
marksstelle befanden - war absolut dahin, und zwar fr immer. Zu-
gleich war jede Spur einer Empfindung an diesen Krpertheilen fr
immer verschwunden. Sie konnten berhrt, gestochen, geschnitten, zer-
malmt werden, und der Mensch hatte nicht die leiseste Ahnung davon,
obschon, wie gesagt, das Bewusstsein und die psychischen Fuuetiouen
niemals eine Trbung oder sonstige Vernderung erlitten hatten, und
berdies alle jene Krpertheile, welche mit von dem Gehirn und dem
mit demselben zusammenhngenden ob crc n Rckenmarksstck ans-
gehenden Nerven versorgt sind, g era d e so empfindlich und willkr-
lieb beweglich blieben, wie sonst' Dies Alles beweist nun. dass das
Gehirn offenbar unser gesuchtes Etwas ist, welches die psychischen
'rhtigkeiteu vermittelt: und dies und noch manches Andere, was wir
uns fr die eingehende Darstellung der Nervenphysiologie versparen,
beweist ferner, dass es die Nerven sind, welche, wie Telegraphendrhte
die Depeschen, einerseits dem Gehirn die Eindrcke von aussen zulei-
ten, andererseits die Bewegungsimpulse vom Gehirn auf die Muskeln
bertragen. Demnach knnen wir ganz allgemein zwei Klassen von
Nerven unterscheiden: centripetale wie die Empfindnngs- und Sinnes-
nerven und eentrifugale wie die motorischen. Das Rckenmark ver-
hlt sieh unter diesen Umstnden dem Gehirn gegenber wie ein ein-
tkehes Leitungsorgan.
	Aber wunderbar! so vollstndig in den erwhnten Fllen von
Rekenmarksdurehtrcnnung das Gehirn von den unteren Abtheiluugen
des Krpers abgeschnitten ist, eine eigenthmliehe Herrschaft ber die
Muskeln und eine gewisse Fhigkeit Eindrcke von aussen zu empfan-
gen ist dieser so zu sagen entseelten Krperabtheiluiig dennoch
