300 	Ueher den Ban und Mechanismus des menschlichen Krpers.

geblieben - denn werden z. B. die Fusssohlen gekitzelt, so machen die
der Willkr gleichwohl absolut entzogenen Beine krftige Zuckungen
und oft sogar zweckmssige, eoinbinirte Bewegungen, wie um sieh dem
lstigen Reize, der doch faetiseh keine Spur von bewusster Empfindung
veranlasst, zu entziehen.
	Bemerken Sie ferner dass, wenn in einem solchen Falle das
Rckenmark in seiner ganzen Ausdehnung zerstrt worden wre, auf
Kitzeln der Fusssohlen auch nicht die geringste Zuckung, geschweige
denn eine combinirte Bewegung der Beine eintreten wrde; so wird
Ihnen einleuchten, (lass (las Rckenmark nicht bbs ein einfacher Lei-
tungsapparat fr den Erregungsvorgang ist wie die Nerven, sondern,
dass es die Fhigkeit besitzt centripetale Reize in centrifugale Be-
wegungsimpulse zu verwandeln , d. im. Erregung von einer Leitung
auf die andere zu refleetiren und in mannigfaltiger Weise zu verar-
beiten.
	haben wir bisher (lie Struetur und Function jener Bestandtheile
des Krpers betrachtet, welche der unmittelbare Sitz der psyclusehen
Tlmtigkeiten sind, und die mannigfaltigen Empfindungen gleichwie
(lie willkrlichen Bewegungen vermitteln - lauter Leistungen, welche
recht eigentlich die charakteristischen an i um a I e n Lebensusserungen
ausmachen - so bleibt uns zum Schluss noch brig, uns mit jenen
Organen und Vorgngen zu beschftigen, welche dem sogenannten
vegetativen Leben dienen - und zuletzt eine kurze Besprechung
der Generations- oder Zeugungsorgane und Vorgnge folgen zu
lassen - um unsere einleitende Uebersicht ber (leim Bau und den gan-
zen wundervollen physiologischen Mechanismus des menschlichen Kr-
pers zu vollenden.
	Sic erinnern sieh des wichtigen Satzes, dass (las Leben (lie Kr-
pertheile verzehrt. (lass keine physiologische Arbeitsleistung zu
Stande kommt ohne entsprechenden Stoffverhraneh Die Arbeit, welche
das Nerven- und Muskelsystem leisten, muss also auch entweder auf
Kosten der Nerven- und Muskelsubstanz selbst oder eines anderen
Materials geschehen. Und da der Krper nicht im Stande ist irgend
etwas zu erschaffen, so muss er (lie Fhigkeit haben. einerseits
seine Substanzverluste von aussen zu ersetzen, d. h. Nahrungs- oder
Ersatzmaterial in sich aufzunehmen und zu assimiliren, andererseits
aber das Unbrauehbargewordene - so zu sagen die Sehlacken des
Lebcnsproeesses - abzusondern und auszustossen.
	Wir wissen bereits, dass er diese beiden fundamentalen Fhigkeiten
mm Allgemeinen wirklich besitzt. Der lebende Krper assimilirt und
scheidet aus. Aber wir mssen nun genauer zusehen, iv i e dies eigent-
