294 	Ueber den Ban und Mechanismus des menschlichen Krpers.

whrend die Bauch-, Brust-, Hals-, Mund- und Nasenhhle, welche
die Gangliencentra, den Darm und die brigen Eingeweide enthalten,
die getrennten Abschnitte der ventralen Rohre darstellen.
	An Querschnitten des Krpers, welche senkrecht gegen die Wir-
belsule oder die Schdelbasis von rechts nach links gefhrt werden,
lsst sich diese fundamentale, brigens allen Wirbelthieren eigenthm-
liche Structur einer Doppelrhre wo mglich noch deutlicher erkennen.
	Die scheinbar so grosse Differenz zwischen dem Bau des Kopfes
und des Rumpfes rhrt, wie Sie sehen, wesentlich von dem verschie-
denen Verhltniss zwischen den Durchmessern der Ventral- und Dor-
salrlire her. Im Rumpf ist erstere gross im Verhltniss zur letzteren,
im Kopf gerade umgekehrt. Der Typus der Doppelrhre ist aber der-
selbe.
	Die Gliedmassen oder Extremitten schliessen keinen solchen
Hohlraum ein, sondern bestehen mit Ausnahme verzweigter Gefss-
rhren, die mit Flssigkeit (Blut oder Lymphe', gefllt sind, durchaus
aus festen oder halbfesten Gebilden.
	Gesetzt, es lge uns ein frischer menschlicher Leichnam vor,
untersuchen wir, in welche Bestandtheiie er sieh zerlegen lsst. Zn-
nchst wird es uns leicht gelingen, eine ziemlich derbe Membran,
welche den ganzen Krper im Zusammenhang berzieht und um-
kleidet, von den darunter liegenden Theilen loszuprpariren. Es it
dies das Integumentum commune, die sogenannte allgemeine Decke,
ussere Haut. Diese Haut lsst sich in eine obere und in eine un-
tere Lamelle trennen; die erstere heisst die Oberhaut oder Epidermis
und besteht aus zahllosen, an den verschiedenen Krperregionen in
verschiedener Mchtigkeit bereinander gelagerten mikroskopischen
Hornsehppehen, welche in den oberflchlichsten Schichten fortwh-
rend abgerieben werden und verloren gehen. Die untere Lamelle
heisst die Lederhaut, Dermis oder Derma, und ist ein derbes Gewebe
vielfach verfochtener Fserchen, an dessen Oberflche eine fortwh-
rende Neubildung von saftigen Zellen, die zu Epidermis verhornen,
stattfindet. Eine Verwundung der Epidermis verursacht weder Schmerz
noch Blutung; die verwundete Lederhaut hingegen schmerzt und blu-
tet reichlich. Hiervon hat sich schon Mancher beim Rasircn unfrei-
willig berzeugt, wenn das Messer, ungeschickt gefhrt, einen Gedan-
ken tiefer eingriff als nthig ist, uni die bios s en Epidermoidalgebilde,
zu denen auch die Haare gehren, zu entfernen.
	An allen Krperffnungen, wie an Mund, Nase, After u. s. w .
setzt sich die ussere Haut continnirlich in die sogenannte S cli 1 ei m -
h ant fort, welche weicher und rther ist und durch eine an ihrer
