296 	Ueber den Bait und Mechanismus des menschlichen Körpers.

beugt, wie daselbst eine weiche Masse anschwillt, hart wird und stark
vorspringt. Bei der Senkung des Ellenbogengelenkes verschwindet
wieder beides - die Schwellung und die härte. Könnten wir die
Haut an der angegebenen Stelle einschneiden und ans einander schla-
gen, so würden wir finden, dass der Körper, welcher beschriebener-massen 
seine Form und Spannung geändert hat, ein längliches Stück
r o t h e s Fleisch ist, überzogen and durchsetzt von Bindegevebs-
scheiden, welche sich an beiden Enden zn starken Sehnen verdichten,
durch die das Fleisch oder der Muskel einerseits an das Schulterblatt,
andererseits an den einen der beiden Vorderarmknoehen befestigt wird.
Kurz, diese Fleischmasse ist jener Muskel, welcher den anatomischen
Namen Biceps brachii führt.
	Wir eonstatiren, dass die Fasern, welche die Fleisch- oder Mus-
kelsubstanz zusammensetzen, die auffallende Eigenschaft haben. nut
grosser Kraft ihre Gestalt zu verändern, genauer sich zu verkürzen
und dabei im Verhältniss zur Längenabnahme zugleich dicker zu wer-
den - sobald der Willensimpuls oder andere Feize auf sie einwirken.
Diese merkwürdige Eigenschaft der C out r a e t i lit ii t macht die
Fleisch- und Muskelsubstanz zum activen Bewegungselement des Kör-
pers und seiner Theile. Zu diesem Ende sind die Fleisch- oder Mus-
kelmassen in der mannigfaltigsten Weise zwischen den Weichthcilcn
und Hartgebilden angeordnet und an denselben befestigt, denn wenn
sie sich vermöge ihrer Contraetihität verkürzen und ihre Anhcftnngs-
punkte mit Gewalt gegen einander ziehen und einander näher bringen,
so müssen sie nothwcndig die mit ihnen verwachsenen passiven Tlueile
in Bewegung setzen und (lie verschiedenartigsten Gestalt- und Lagen-
vänderun-en derselben veranlassen.
er. 	n
	Die erwähnten Hartgebilde des Körpers sind die K no eh en und
K nor p cl, welche feste Grundlage und Stutze fur die Weiehtheile
bilden. Sie haben die verschiedensten Formen und sind mit einander
tlueils unbeweglich, theils beweglich zu Gerüsten verbunden. Das
Hauptgerüst (1c5 Körpers nennt man das Gerippe oder Skelet. Die
Knochen entstehen aus Knorpel- oder Bindegewebe, indem sich phos-
phorsaurer und kohlensaurer Kalk daselbst ablagert. Sie sind ein
thieriselues Gewebe, welches so zu sagen naturgemäss versteinert man
nennt diesen Vorgang (lie Ossification, Verknöcherang. Werden (lie
genannten Kalksalze durch Satiren herausgezogen, so bleibt eine bieg-
same organische Masse von derselben Gestalt wie der Knochen zurück.
Nicht alle Knorpel ossifleiren, einige niemals,. andere nur ausnahms-
weise permanente Knorpel.
Es gibt weit über 200 Knochen im mnensehlieheu Körper, doch ist
