:;04 	Ueber den Bau und Mechanismus des menschlichen Körpers.
abgegebene Kohlensäure nehmen sie eine gleiche. ja fast noch
grössere Menge von Sauerstoff ans der Luft ein. Der Sauerstoff die
sogenannte Lebensluft, ohne welchen keine Oxydation, keine Verbren-
nung . keine lebendige Kraftentwiekelung möglich ist, gelangt in die
Lungen und auf demselben Wege, auf welchem die Kohlensäure aus-
geschieden wird. ins Blut. welches ihn absorbirt und in die allge-
meine Säftehewegung mit hineinreisst. So dringt er zu allen Elementen
des Körpers und zersetzt und oxydirt (lie eomplieirten Bestandtheile
derselben zu den einfachen Auswurfsstoffen Wasser, Kohlensäure und
Harnstoff.
	Durch diese, an unziihligcn Punkten vor sieh gehende Verbren-
nung entstehen im Körper Wärmemengen. welche (lie Temperatur des
Blutes his zu 30-32 C. bringen und sich in die mannigfaltigsten leben-
digen Kräfte umsetzen. Durch (lie rasche Circulation der heissen Ge-
webesäfte bekommt der ganze Körper seine gleichmässige Temperatur,
wie ein Haus. (las mit einem Heisswasser-lib hronapparat gebeizt wird.
	Aber alle diese Verdaunugs-. Circulations- und Ausseheidungs-
organe wären nutzlos und könnten den lebendigen Verhronnungspro-
cess nicht auf die Dauer erhalten, wenn ihre Thätigkeiton nicht in
bestimmt geregelter Ordnung und Energie zusammenwirkten
	Tlierzn ist ein comb in iren d e s Organ unerlässlich und dieses
finden wir wieder im Nervensystem, welches nicht nur, wie wir bereits
wissen (lie Function hat, (lie psychischen Thätigkeiteu zu vermitteln,
und uns in den Stand zu setzen einerseits durch die Empfindungs- und
Sinneswahrnehmungen zu erfahren, was in der Aussenwelt vorgeht,
andererseits durch willkürliebe Bewegungen verändernd in dieselben
einzugreifen , sondern welches auch (lie Einrichtungen besitzt, (lie (las
Bedlirfuiss der Aufnahme lind den Mechanismus der Verarbeitung oder
Assimilirung der Nahrung - den Herzschlag. (las Caliber der Gefäss-
röhren und damit die Bewegung und Vertheilung des Saftstromes, die
Athembewegungen und die Sauerstoffzufuhr, und endlich die Ausschei-
dungen. und somit (las Zusammenwirken aller Lebensvorgänge mittel-
bar odor unmittelbar beherrschen und regeln.
	Die Störung dieses regelrechten Zusammenwirkens fährt zum
Tode. worunter man gewöhnlich das Absterben des Körpers als
Ganzes versteht. In diesem Sinne ist der Tod das absolute uf1ioren
der Funetionen des Gehirns, der Circulations- und der Athmungs-
Organe. Wenn der Tod eintritt, so stirbt der Körper als Ganzes zuerst;
(lie letzten Strueturbestandtheile der Gewebe behalten aber stets noch
kürzere oder längere Zeit nach dein letzten Athemzuge ihre Lebens-
eigenschaften und Fnnetionen hei. Daher kommt es. dass z. B. (lie
