﻿Meine Herren!
Zum Ausgangspunkt meiner für Studenten aller Facultäten berechneten Darstellung der Physiologie des Menschen, welche ich mit der heutigen Vorlesung beginne, habe ich einen einfachen Versuch gewählt, der uns sofort einen tiefen Einblick in das Wesen und die Natur des thierischcn Lebensprocesses eröffnen soll.
Allerdings ist dieser Versuch aus verschiedenen Gründen, die Ihnen bald einleuchten werden, nicht gut dazu geeignet, vor Ihren Augen wirklich ausgeführt zu werden; allein ich kann Ihnen denselben durch Wort und Bild so anschaulich machen, dass er unserem Zwecke nicht besser dienen könnte, wenn ich ihn auch ^tatsächlich anstellcn möchte !
Doch zur 8aehe !
Denken Sie sich einen allseitig abgeschlossenen Raum, dessen Wandungen aus Eisquadern zusammengefügt sind. An zwei einander entgegengesetzten Punkten befinden sich Oeffnungen, so dass wir einen Strom reiner eiskalter Luft durch den Raum hindurch treib en können. Die Luft wird natürlich bei der einen Oeffnung ebenso rein und kalt aus dem Raume herauskommen, als sie bei der ersten Oeffnung in denselben hineingekommen ist — und die Eiswände werden ungeschmolzen bleiben.
Nun stellen Sie sich vor, wir hätten einen Menschen, dessen Körpergewicht vorher genau bestimmt worden ist, in den Raum hineingebracht und eine Stunde lang darin auf- und abgehen lassen.
Was beobachten wir ?
1 Der Mensch hat mechanische Kraft entwickelt, indem er auf-und abging und Atliem schöpfte ;
2; hat der Mensch Wärme abgegeben, denn wir finden, dass eine Schicht von bestimmter Dicke von den Eiswänden abgeschmolzen und in Wasser verwandelt wurde ; und die austretende Luft ist warm ;
3) hat der Mensch Kohlensäure und
4 Wasser abgegeben. Letzteres sieht man unmittelbar in Form von Dampfwolken der Nase und der Hautoberfläche entströmen und
Czermak, Schriften. II.
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