﻿304 Ueber den Bau und Mechanismus des menschlichen Körpers.
abgegebene Kohlensäure nehmen sie eine gleiche, ja fast noch grössere Menge von Sauerstoff aus der Luft ein. Der Sauerstoff, die sogenannte Lebensluft, ohne welchen keine Oxydation, keine Verbrennung , keine lebendige Kraftentwickelung möglich ist, gelangt in die Lungen und auf demselben Wege, auf welchem die Kohlensäure ausgeschieden wird, ins Blut, welches ihn absorbirt und in die allgemeine Säftebewegung mit hineinreisst. So dringt er zu allen Elementen des Körpers und zersetzt und oxydirt die complicirten Bestandtheile derselben zu den einfachen Auswurfsstoffen Wasser, Kohlensäure und Harnstoff.
Durch diese, an unzähligen Punkten vor sich gebende Verbrennung entstehen im Körper Wärmemengen, welche die Temperatur des Blutes bis zu 30—32 C. bringen und sich in die mannigfaltigsten lebendigen Kräfte Umsetzern Durch die rasche Circulation der heissen Gewebesäfte bekommt der ganze Körper seine gleichmässige Temperatur, wie ein Haus, das mit einem Heisswasser-Köhrenapparat geheizt wird.
Aber alle diese Verdauungs-, Circulations- und Ausscheidungs-organe wären nutzlos und könnten den lebendigen Verbrennungspro-cess nicht auf die Dauer erhalten, wenn ihre Tlmtigkeiten nicht in bestimmt geregelter Ordnung und Energie zusammenwirkten.
Hierzu ist ein combinirendes Organ unerlässlich und dieses finden wir wieder im Nervensystem, welches nicht nur, wie wir bereits wissen, die Function hat, die psychischen Tlmtigkeiten zu vermitteln, und uns in den Stand zu setzen einerseits durch die Empfindungs- und Sinneswahrnehmungen zu erfahren, was in der Aussenwelt vorgeht, andererseits durch willkürliche Bewegungen verändernd in dieselben einzugreifen, sondern welches auch die Einrichtungen besitzt, die das BedUrfniss der Aufnahme und den Mechanismus der Verarbeitung oder Assimilirung der Nahrung — den Herzschlag, das Caliber der Gefäss-röhren und damit die Bewegung und Vertheilung des Saftstromes, die Athembewegungen und die Sauerstoffzufuhr, und endlich die Ausscheidungen, und somit das Zusammenwirken aller Lebensvorgänge mittelbar oder unmittelbar beherrschen und regeln.
Die Störung dieses regelrechten Zusammenwirkens führt zum Tode, worunter man gewöhnlich das Absterben des Körpers als Ganzes versteht. In diesem Sinne ist der Tod das absolute Aufhören der Functionen des Gehirns, der Circulations- und der Athmungs-Organe. Wenn derTod eintritt, so stirbt der Körper als Ganzes zuerst; die letzten Structurbestandtheile der Gewebe behalten aber stets noch kürzere oder längere Zeit nach dem letzten Athemzuge ihre Lebenseigenschaften und Functionen bei. Daher kommt es. dass z. B. die