29s 	Ueher den Bau und Mechanismus des menschlichen Krpers.

Spiel bringt und ordnet? Es ist, wie ich Ihnen gleich beweisen will,
eine Function des Nerve n s y stem s. Gestatten Sie mir vorher nur
einige Worte ber die Struetur desselben.
	Die speeifisehen Elemente dieses beraus wichtigen Gewebes sind
die Nervenzellen und die Nervenfasern. Die letzteren sind mikrosko-
piseli feine, glashelle, eylindrische Fden und Rhren mit theils li-
gem, theils eiweissartigem Inhalt; die ersteren: mikroskopisch kleine
rundliche oder sternfrmige Klmpchen einer gleichfalls fetthaltigen
und eiweissartigen Substanz, welche fadenfrmige Fortstze aussen-
den, die sie unter einander und mit den Nervenfasern verbinden. Man
kann sagen, die Nervenfasern entspringen aus den Nervenzellen.
Durch die Zusammenhufung und planmssige Anordnung von Nerven-
zellenuetzen und Nervenfasern entstehen die sogenannten Central-
organe, wie das Gehirn, das Rckenmark, die sympathischen Ganglien
und Nervenknoten. Die von diesen Centren ausgehenden Nervenfasern
bilden, zu vielfach verstelten Bndeln, d. h. Bindegewebsseheiden
zusammengefasst, das peripherisehe Nervensystem, dessen weisse
Strnge wie Telegraphendrhte den Krper durchziehen und einerseits
in den Muskeln und Drsen, andererseits in den Organen der Empfin-
dung ihr Ende finden, whrend ihr Ursprung, wie gesagt, in der Gang-
lienmasse der Ceutralorgane zu suchen ist.
	Lassen Sie einen aufrecht stehenden Meusehen einen Stoss oder
Schlag auf den Kopf bekommen - im Augenblick wird der Getroffene
zusammenstrzen und erschlafft und empfindungslos am Boden liegen
bleiben. Was ist ihm geschehen ? Der Stoss oder Schlag, welcher diese
niedersehmetternde Wirkung hatte, kann so erfolgt sein, dass weder
ein einziger Muskel direct verletzt ja auch nur berhrt wurde , noch
dass die geringste ussere oder innere Blutung eingetreten ist, ja wenn
die Commotion oder Erschtterung nicht allzu heftig war, so wird der
Leidende nach einigen Augenblicken von Ohnmacht und Empfindungs-
losigkeit wieder zu sieh kommen und so wohl sein als zuvor. Ganz
dieselbe vorbergehende Wirkung wird sogar zuweilen durch eine viel
geringfgigere Ursache als Schlag oder Stoss auf den Kopf veran-
lasst - Manche Menschen fallen in Ohnmacht beim blossen Anblick
von Blut, - in Gegenwart einer Katze oder Spinne - nach einer
pltzlichen Gemthsbewegnng u. s. w. Offenbar hat in allen diesen
Fallen Ni eh t s - am wenigsten die Muskeln selbst - eine dauernde
Verletzung davongetragen und doch ist eine vernichtende Wirkung auf
ein Etwas ausgebt worden, was nicht nur die Thtigkeit der Muskeln
beherrscht und regelt, sondern auch die bewusste Empfindung ver-
mittelt.
