302 	Ucher den Ban und Mechanismus des menschlichen Krpers.

ein muskulses Gebilde, welches Hohlrume einschliesst, von denen
einerseits dickwandig -ere Gefssrhren - die sogenannten Arterien -
ausgehen und in welche andererseits dnnwandigere Rhren - die
sogenannten Venen - einmnden. Die ersteren vertheilen sieh im
ganzen Krper und verzweigen und versteln sieh dabei in immer zahl-
reichere und dnnere Gefsse, bis sie sieh endlich in allen Krpertheilen
	mit Ausnahme einiger blutlosen Gewebe - in ein Netz mikrosko-
pischer, unendlich zartwandiger Rhrchen, die Capillaren, auflsen.
Aus den Capillaruetzen entspringen dann wieder Venen als feine Rei-
ser, die zu immer wenigeren und grberen Gefssrhren verschmelzen
und schliesslich als drei grosse Strme wieder in das Herz einmnden.
So wird also ein grosser, in sieh selbst zureklaufender Rhreneirkel
geschlossen: derselbe ist whrend des Lebens nut Blut angefllt, weh-
ehes durch die Herzpumpe in einer fortwhrenden kreisenden Bewe-
gung erhalten wird, indem es (lurch die Arterien in die Capillaruetze,
aus diesen durch die Venen zum Herzen zurckzustrmen gezwungen
wird von wo aus es seinen Kreislauf immer wieder von neuem
beginnt.
	Ausser dem Kreislauf des Blutes gibt es aber noch eine andere
Strombewegung im Krper , deren Bahn hergestellt wird (lurch (lie
schwammige Masse des Bindegewebes und durch das aus demselben
entspringende Lyniphgefsssystem, welches, hnlich wie (las Venen-
angeordnet, schliesslich in dasselbe einmndet. Durch die per-
meablen dnnen Wandungen der Capillaren schwitzt nmlich aus dem
Blute fortwhrend ein Strom einer Flssigkeit aus, welche das Binde-
gewebe und. von diesem fortgeleitet, alle Gewebe des Krpers durch-
trnkt. Es ist dies die sogenannte Lymphe oder der Gewebesaft. Ein
Theil dieses die Gewebe continuirlich durchfeuchtenden Saftstroms
wird nun durch die Lymphgefsse in den Blutkreislauf zurckgefhrt
und dem Blute neuerdings beigemischt: ein anderer Theil des Saft-
stroms geht direct ins Blut zurck, indem er die dnnen Wandungen
der Capillaren in entgegengesetzter Richtung durchsetzt, in welcher
er ans ihnen hervorgetreten war.
	Jene Flssigkeit, welche als Resultat der Verdauungsthtigkeit
alle assimilirten Nhrstoffe in Lsung oder in feinster Vcrtheilnng sns-
pendirt enthlt, und von welcher ich schon erwhnte, dass sie in das
Gewebe der Darmschleimhaut eindringt: gelangt auf demselben
Wege wie der Gewebesaft in den Blutstrom - nmlich theils direct,
durch die Wnde tier Darmeapillaren, theils indirect auf dem Umwege
durch die Lymphgefsse des Darms. Fortgerissen von dem Strome
der Circulation wird sie dein Blute innig beigemengt, und das Blut,
