	Ueber den Ban und Mechanismus des menschlichen Krpers.	295

Oberflche hervorquellende Flssigkeit, den Schleim, stets feucht er-
halten wird, sonst aber ganz wie die ussere Haut aus einer unteren
faserigen, gefss- und nervenreichen, und aus einer oberen zelligen,
blutlosen Lamelle, welche hier Epithelium heisst, besteht. Die Schleim-
haut berkleidet die innere Oberflche aller Hohlrume und Organe,
welche sieh nach aussen ffnen - so z. B. den ganzen Nahrungskanal
vom Munde bis zum After; und da die beiden Lamellen der usseren
Haut und der Schleimhaut an den genannten Oeffnungen continuirlieh
in einander bergehen, so kann man sagen, dass die Epidermis die
ussere, das Epithelium die innere Wand eines rhrenfrmigen Sacks
mit doppelten Wandungen bildet, zwischen welche s  m mtl i eh e
Theile des Krpers eingeschlossen sind.
	Das Derma und die tiefe, gefss- und nervenreiehe Lamelle,
welche ihm in der Sehleimhaut entspricht, sind hauptschlich ans
einem Fasergewebe gebildet, welches bei anhaltendem Kochen zu
Leim zergeht und gegerbt wird, wenn man ans Huten Leder fa-
hrieirt.
	Dieses Gewebe heisst fib r se s oder Z ellg e wehe, wird aber
am sehiekliehsten das Binde g e w eh e genannt, weil es fast all e
Bestandtheile des Krpers zusammenhlt und mit einander v er bin -
d e t. indem seine Fasern bald straff und regelmssig angeordnet, sei-
denartig glnzend. bald locker und wirr verfilzt, und dann von matt-
weisser Farbe, nicht nur Hute und Bnder, Scheiden und Strnge
bilden, sondern auch alle kleinen Lcken ausfllen. ja sogar das Innere
der meisten Organe durchziehen.
	Das Bindegewebe stellt also ein, durch den ganzen Krper zu-
sammenhngendes Gerste dar, in welches alle anderen Bestandtheile
eingebettet sind. Knnte man die letzteren vollstndig entfernen, so
wrde man eine schwammige Masse zurckbehalten, welche nichts
destoweniger ziemlich genau die Formen des ganzen Krpers und sei-
ner einzelnen Theile zeigen wrde.
	Um spteren Mittheilungen nicht vorzugreifen, will ich hier nur
beilufig noch erwhnen, dass das Bindegewebe vortrefflich geeignet
ist, jene wichtige Flssigkeit - den sogenannten Gewebesaft oder
die Ernhrungsflssigkeit - aufzunehmen und fortzuleiten, welche ans
dem Blute stammt und alle Gewebe des Krpers durchtrnkt.
	Wir wenden uns nun zur Betrachtung eines der wichtigsten Ge-
bilde, welche mi Bindegewebe eingebettet und eingeseheidet liegen,
dessen Gegenwart und Thtigkeit sehr leicht am Lebenden eonstatirt
werden kann. - Umfassen wir von vornher den Oberarm einer Person,
so fhlen wir jedesmal, wenn die Person das Ellenbogengelenk krftig
