290 	Ueber den Bau und Mechanismus des menschlichen Körpers.

der Luft sich beimengen, welche deshalb immer feucht aus dem Raume
herausströmt, wenn sie auch ganz trocken einströmte; erstere, die Koh-
lensäure nämlich, welche ebenfalls in der einströmenden Luft fehlt,
väth ihre Ge-enwart in der ausströmenden Luft, wenn diese d roh
errl	n 	u
Kalkwasser geleitet wird, durch einen weissen Niederschlag von
Kreide.
	5; Endlich hat der Mensch an Gewicht verloren, wenn er nach
Verlauf der Stunde, welche das Experiment gedauert, neuerdings ge-
wogen wird.
	So zeigt es sieh denn, dass der Mensch in jedem Augenblicke
seiner Lebensthätigkeit beständig mechanische Kraft entwickelt und
Wärme erzeugt, und ebenso beständig Kohlensaure und Wasser ab-
giebt und einen Substanzverlust erleidet.
	Offenbar könnte das Loben bei diesem Stande der Dinge nur eine
sehr abgegrenzte Dauer haben, da ja der Mensch sehr bald in Nichts
zusainmcnsehwinden musste.
	Lange bevor jedoch die Folgen dieses unaufhörlichen, mit der
Wärmeabgabe und Kraftentwiekelung hand in Hand gehenden Sub-
stanzverbrauehs äusserlich auffallen, verspürt sie das Individuum selbst
in Form der beiden gebieterischen Empfindungen des 11 11 n g c r s und
des Durstes.
	Um Hunger und Durst zu stillen, um den Substanzverlust wieder
gut zu machen und den Körper in den Stand zu setzen, fort zu leben.
d. h. auf die Dauer Kohlensäure und Wasser auszuscheiden und
Wärme und mechanische Kraft zu entwickeln, muss der Mensch vor
Allem und unbedingt zwei Dinge haben und einnehmen.
	Diese beiden Dinge sind: reine atmosphärische Luft, welche ein
Gemenge von 21 Thcilen Sauerstoff und 79 Theilen Stickstoff ist -
und dann Speise und Trank oder Nah rung, welche zwar in mannig-
faltigster Weise zusammengesetzt sein kann, immer aber, falls sic das
Leben auf die Dauer gesund erhalten soll, fünferlei Arten von chemi-
schen Stoffverbindungen in bestimmtem Verhältniss gemischt enthalten
muss - nämlich
	1) Wasser, welches in jedem Getränk, aber auch fast in jeder
Speise enthalten ist;
	2 sogenannte Proteinstoffe, sehr zusammengesetzte stickstoffhal-
tige Verbindungen, die sich nur in gewissen Theilen der thierisehen
und pflanzlichen Gebilde finden. vie im Fleisch, im Mehl, im Ei:
	3 Fette, welche im reinen Zustande nur aus Kohlensäure und
Wasser bestehen:
4 Kohlenhydrate, welche zwar auch nur aus Kohlenstoff, Wasser-
