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Mit Beiseitelassung einiger hautartiger Bildungen von beschränkterem Vorkommen hat Bichat folgende Hauptsysteme von Membranen aufgeslellt:
das System der Schleimhäute und der äusseren Haut, das System der serösen und synovialen Häute und das System der fibrösen Häute.
Diese Unterscheidung hat sich bekanntlich seitdem als classische erhalten, und in der That lässt sich, selbst mit unsern fortgeschrittenen Hülfsmitteln der Gewebsanalyse, kaum etwas erhebliches dazu oder davon thun. Zu den aus anatomischer Betrachtung und physiologischem Verhalten geschöpften Unterscheidungsgründen haben sich seitdem noch die embryologischen Gesichtspunkte hinzugesellt, zufolge denen mehr und mehr klar wird, dass die verschiedenen Charaktere jedes der obigen Hautsysteme in dem völlig differenten Modus der Entwicklung ihre Begründung finden. Diese Beziehungen zwischen der Entwicklung der Membranen und ihrem anatomischen Verhalten zusammenzuslellen, ist der Zweck der nachfolgenden kleinen Abhandlung; zugleich soll versucht werden, inwieweit an der Hand der resultirenden allgemeinen Sätze wiederum Ergebnisse speziellerer Art sich ableiten lassen.
Wie man aus den schönen Untersuchungen von Remak weiss, so betheiligt sich von den drei Keimblättern, die die erste Anlage des Organismus bilden, das mittlere in Verbindung mit dem obersten oder mit dem untersten an dem Aufbau der äusseren Haut und der Schleimhäute. Während die beiden Gränzblätter das Material zur Entwicklung von deren Epithelialgebilden und Drüsenparenchymen liefern, entsteht aus dem Antheil des mittleren Keimblattes ihre gefässführende Grundlage, und es sind somit jene Häute mit Bezug auf ihre Genese als zusammengesetzt anzusehen. Dagegen sind die serösen und die synovialen Häute einzig Bildung des mittlern Keimblattes, ebenso die fibrösen Häute. Jene unterscheiden sich von diesen dadurch, dass .sie zur unmittelbaren Begränzung von Höhlen verwendet werden, während die fibrösen Häute durch histologische Sonderung in der Con-tinuität der Substanz sich bilden.
Von den Höhlungen, die der Körper umschliesst, sind blos die dem mittlern Keimblatt angehörigen als innere Höhlen im eigentlichen Sinn des Wortes, oder wenn man lieber will als ächte Binnenräume anzusehen , während die von Schleimhäuten umschlossenen, an deren Umfassung sich eines der beiden Gränzblätter betheiligt, streng genommen dem Organismus gegenüber alle als Aussenräume betrachtet werden müssen, und sich in Wirklichkeit auch physiologisch so verhalten. Das Nahrungspartikel im Darmkanal, das Sauerstoffpartikel in den Lungen, sie machen erst von dem Augenblicke an Bestandtheil des Organismus, da sie die trennende Epithelialschicht durchsetzt haben, und selbst die Frucht im Uterus kann bei aller ihrer innigen Verbindung mit dem Mutterkörper doch als etwas diesem fremdes angesehen werden, insofern als ihre Uoslösung von ihm denkbar ist (und bekanntlich bei manchen Säugern auch vorkommt) ohne irgend welche Continuitätsstörung.