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Die Häute uml Höhlen des mittleren Keimblattes.
Das mittlere Keimblatt bildet, nachdem es seine Entwicklungsmetamorphosen durchgemacht hat, den formgebenden Grundstock des Körpers, an welchen die Produkte der beiden Gränzblätter theils äusserlich sich anlegen, oder von dem sie, wie das centrale Nervensystem, auch theilweise umschlossen werden. Wir kennen kaum ein Organ, an dessen Bildung das mittlere Keimblatt nicht einen mehr oder minder hervorragenden Antheil nähme, und selbst die sogenannten rein epithelialen Gebilde, wie z. B. die Haare und Nägel, empfangen von ihm eine Unterlage, die wie Haarbalg und Nagelbett deren Wachsthum erst möglich macht und gestaltgebend modificirt. Einzig die Linse des Auges erhält sich im ausgebildeten Zusfand nahezu unabhängig vom mittleren Keimblatt, jedoch könnte man selbst für diese noch im Glaskörper eine zugeordnete Matrix suchen und finden.
Nur langsam hat das Verständniss der Rolle sich eingeleitet, welche das mittlere Keimblatt bei der Entwicklung des Körpers spielt. Schon Caspar Friedrich Wolff zwar hatte seine frühe Spaltung und seine Theilnahme an der Bildung der Leibes- und der Darmwand richtig erkannt, ebenso weiterhin v. Beer und Reichert; eine eingehende Analyse der Functionen jenes Blattes hat indess erst Remak geliefert und ihm verdanken wir vor Allem die genaue Kenntniss der höchst eigenthümlichen Beziehungen, in welche beim Aufbau der Drüsen allenthalben das mittlere Keimblatt zu dem einen der beiden Gränz-blätter tritt. Nach den in neuester Zeit durch Kölliker bestätigten Erfahrungen Remak’s stellt sich nun die Sache also: das mittlere Keimblatt liefert das Material zur Bildung des gesummten lokomotorischen Apparats des Körpers, zur Bildung nämlich der gesammten Knochen, Knorpel, Bänder und Muskeln des Skelettes; aus ihm geht ferner die gefässfüh-rende Lage der Haut, der sämmtlichen Schleimhäute, sowie das gefässführende Gerüst aller absondernden Drüsen hervor, weiterhin entstehen aus ihm die Lymphdrüsen nebst verwandten Gebilden, Milz, Thymus, Peyer’schen Drüsen u. s. w., ebenso die Nebennieren und endlich die peripherischen Nerven, die Urnieren und die Geschlechtswerkzeuge. Aus dem obersten Keimblatt entstehen die Centralorgane des Nervensystems und die Linse, nächst-dem aber liefert es mit dem untersten die epithelialen Uebergänge der Haut und der sämmtlichen Schleimhäute, sowie das zeitige Parenchym aller aus Haut und Schleimhäuten sich entwickelnden Drüsen, d. h. also aller Drüsen mit Ausführungsgang, ausgenommen Geschlechtsdrüsen und Urnieren.
Wie die frühem embryologischen Forschungen Caspar Friedrich Wolff’s, Panders und vor allem die v. Beer’s die Entwicklungsgeschichte als das Gebiet kennen gelehrt hatten, welches uns den Plan des Körperbaues in seinen einfachsten Grundzügen darlegt, so ist durch Remak’s umfassende Untersuchungen ein Einblick in jene tiefen Beziehungen eröffnet worden, die zwischen dem histologischen Bau der Organe und ihrer Entwicklung bestehen. Da ferner die histologische Natur eines Theiles für seine physiologische Stellung mass-