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Anatomen übernommen, die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts das Bindegewebe zuerst studirl und in seiner weiten Verbreitung erkannt haben (Malpighi, Ruysch, Douglas, Winslow, Bœrhaave und Haller *) nebst Schülern). Von Bichat gleichfalls adoptirt, erhielt die Lehre ihre mikroskopische Begründung in den Dreissiger Jahren unseres Jahrhunderts durch die Erkenntniss der Bindegewebsfaser, und, wie vor dieser Zeit der Nachweis der Lückenräume, so wurde nach derselben derjenige der lockigen Faser als entscheidend für den Bindegewebsnachweis gehalten. Es hat indess schon im vorigen Jahrhundert nicht an solchen gefehlt, welche von der allgemein gültigen Doctrin mehr oder minder abwichen; so lässt Bordeu* 2), auf embryologische Beobachtungen sich stützend, das Bindegewebe aus einer weichen homogenen Substanz entstehen, in welcher allerdings später Fasern sich bilden, aber stets noch die formlose Substanz zwischen sich lassen. Die weiche Zwischen-subslanz, die Bordeu für geronnene Ernährungsflüssigkeit hält, soll dann weiterhin zum Wachsthum und zur neuen Anlagerung fasriger Bestandtheile mit verwendet werden. — Noch weiter als Bordeu entfernte sich C. Fr. Wolff von der herrschenden Ansicht; er erklärte nämlich die fasrige Textur des Bindegewebes für ein Kunstprodukt, und liess jenes aus einer zähen halbflüssigen Substanz bestehen, welche unter dem Einfluss der Zerrung wechselnde fasrige und membranöse Formen anzunehmen im Stande sei. 3) Offenbar ist auch Wolff vorzugsweise durch seine entwicklungsgeschichtlichen Studien zu »der besagten Ansicht hingelenkl worden, obwohl er dieselbe selbst für den ausgebildeten Organismus bestimmt zu erweisen gesucht hat. Im Anfang unseres Jahrhunderts hat ein mit vergleichend-anatomischen und embryologischen Arbeiten gleichfalls wohl vertrauter Anatom, nämlich J. Fr. Meckel % Wolff’s Ansicht wieder aufgenommen und das bisherige Zellgewebe unter dem Namen eines Schleimgewebes als zähe, homogene, kaum feste, nicht gestaltete Substanz geschildert. Auch Meckel ist indess mit seiner Ansicht nicht durchgedrungen und ebensowenig ist es im Beginn der neuern histologischen Epoche Fr. Arnold geglückt, eine Continuitätslehre für das Bindegewebe durchzusetzen. Doch waren gerade Arnold’s Bestrebungen um so berechtigter gewesen, als er von der Einseitigkeit Wolff's und Meckel’s sich entfernend, mehr den vermittelnden Standpunkt Bordeu’s einnahm, und als er auf die
*1 Sive laminis fiat sive fibris, rete est, quod cellulosa tela vocatur, variis inter se connexis elementis factum, ut areolas intereipiant graciles et longas, si fila longa fuerint, ut in vaginis arteriarum venarumve, latas, ubicun-que plurimam pinguedinem congeri necesse est, quales areolæ circa pollicem latæ circa renes visæ sunt, mi-nimas demum et ægre conspieuas. ubicunque tela ista in membranam stipata est. (Haller Elem. Physiol. I, 9.)
2)	Bordeu Recherches sur le Système muqueux ou l’organe cellulaire. 1767. Zweite Ausg. 1791 Enfin les fibres et les vaisseaux se démontrent évidemment, et il reste dans leurs interstices de la substance gluante, plus ou moins tenace, qui est la véritable substance cellulaire.
3)	C. F. Wolff de tela quam dicunt cellulosa. Nova Acta Ac. I. Petropol. ad ann. 1788 u. f. Bd. VI, VII u. VIII. Ubique continuam, semifluidam vel conglutinantem vel connectentem substantiam reperi, cellulosam nunquam vidi. (loc. cit. VI, 260.)
+) .7. Fr. Mechel Handbuch der menschlichen Anatomie I, 116.