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wichtige mikroskopische Beobachtung vom allgemeinen Vorkommen einer feinkörnigen Grandsubstanz sich stützen konnte. Es lässt nämlich Arnold das Bindegewebe aus einer feinkörnigen Grundmasse und aus einer fasrigen Substanz bestehen, von denen er erstere die primäre oder den Keimstoff, letztere die secundäre Substanz nennt, und nach ihm sind die zelligen Räume des Bindegewebes, die durch Lufteinblasen entstehen, nichts Anderes als widernatürlich erzeugte Cavitäten in der Grundmasse. *) Von letzterer hatte zwar vor Arnold schon Henle etwas Weniges wahrgenommen und abgebildet, ohne ihr indess weitere Bedeutung für das Zustandekommen der Bindegewebsinterstitien zuzuschreiben.* 2) — Das entscheidende Kampfsignal in der Bindegewebsfrage ist nun, ein Jahr nach Arnold’s Buch, von Reichert ausgegangen, und seine, sowie die noch mächtigeren Anregungen Virchow’s haben bekanntlich jenen schweren Sturm erregt, dessen Wogen bis zum heutigen Tag sich nicht völlig gelegt haben. So mannigfach im gegenwärtigen Augenblick die Histologen in ihren Bindegewebsauffassungen noch von einander differiren mögen, so scheinen doch durch die überstandenen Kämpfe gewisse Resultate gesichert, die kaum mehr eine Anfechtung erfahren werden; zweifellos ist es, dass das Bindegewebe Anfangs eine continuirliche, zellenreiche Masse bildet, in welcher zuerst nur eine homogene Grundsubstanz auftritt, zweifellos ferner, dass die Bindegewebsfasern erst durch secundäre Differenzirung aus der continuir-lichen Masse sich ausscheiden, und dass auf ihre Ausscheidung die Zellen einen entscheidenden Einfluss ausüben, sei es, indem sie selbst zum Theil in sie sich umwandeln, wie auch Neuere noch annehmen, sei es, dass sie verdichtend auf die Grundsubstanz ihrer Umgebung einwirken. Zweifellos ist es endlich, dass von den ursprünglichen zelligen Be-standtheilen ein Theil in mehr oder minder verkümmerter Form zeitlebens im Gewebe fortbesteht.
Was nun die Bindegewebsräume der ältern Histologen betrifft, so wird zwar in neuerer Zeit nicht allzuviel von ihnen gesprochen ; dass sie indess nicht aus den Vorstellungen geschwunden sind, das geht u. A. aus den wichtigen Lyinph-Arbeiten von Ludwig und seinen Schülern Tomsa und Zawarkyn hervor, welche in jene freien Gcwebsspalten geradezu die Anfänge des Lymphsystems verlegen, 3) und es verlohnt sich daher schon, wieder einmal offen die Frage von dem Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Bindegewebslücken ins Auge zu fassen. — Wir knüpfen an an die Beobachtung Arnold’s über das allgemeine Vorkommen einer nicht gefaserten Zwischensubstanz. Diese Zwischensubstanz, wenn auch nicht völlig vergessen, ist doch in neuerer Zeit wenig beachtet worden, trotzdem dass man sie kaum an irgend einer Stelle vermisst, an der lockeres Bindegewebe auftritt. Es ist
*) Fr. Arnold Handbuch der Anatomie des Mensehen I, 199. Vergl. auch die gute Abbildung Taf. H, 1.
2)	Henle Allg. Anatomie pag. 349.
3)	Man vergl. bes. O. Ludwig Ueber den Ursprung der Lymphe in den Jahrbüchern der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien, 1863, und W. Tomsa Beiträge zur Anatomie des Lymphgefässursprungs. Sitzungsberichte der Wiener Akademie Juli 1862.