﻿33
eine Modification, insofern als an der Vorderfläche der Cornea das Gefässnetz immer auf den Rand beschränkt bleibt, während es bei der Linse zwar auf beiden Seiten sich bildet, mit eintretendem Functionstermin des Auges aber, sich spurlos zurückbildet. — Es lehrt nun das pathologische Experiment, dass jedesmal, wenn ein Reiz das Bindegewebe trifft, dieses neben vermehrter Zellenbildung auch durch Gefässneubildung reagirt, und dies führt uns von selbst zur Annahme, dass auch die Produkte der beiden Gränzblätter jeweilen einen Reiz auf das Gewebe des mittleren ausüben, und dadurch jene Capillarentwicklung hervorrufen. Vielleicht sind es chemische Umsetzungsstoffe der Epithelialblätler, welche, in das angränzende Gewebe eindringend, dieses zur besagten Reaction veranlassen. Jedenfalls sehen wir, dass auch hierin wieder ein scharfer Gegensatz zwischen ächten Epithe-lien und Endothelien sich geltend macht, denn die von Endothelien ausgekleideten Höhlen zeichnen sich von dem Moment an durch sehr gefässarme Wandungen aus, da sie eine bestimmt ausgeprägte Umgränzung erhalten haben.
In sehr vielen Fällen tritt an der Berührungsfläche vom mittleru Keimblatt mit den beiden Gränzblättern eine structurlose Membran auf, die aus elastischer Substanz, oder (wie die Lamina anterior Corneae) aus einem Uebergangsstoff zwischen elastischer und leimgebender Substanz besteht. In die Categorie solcher elastischen Gränzblätter gehören die Membranæ propriæ der Drüsen, die Basement membranes gewisser Schleimhäute, die Glashäute des Auges mit Ausnahme der Descemet’schen Haut, und wohl auch die Schwann’-schen Scheiden der Nervenfasern. Die Scheidung dieser Membranen von ihrer Umgebung ist bald mehr, bald minder scharf, sie ist besonders dann auffallend, wenn entweder die Schicht eine gewisse Dicke erreicht, oder wenn die angränzende Bindesubstanz sehr weich und locker bleibt. Immerhin besteht, wie dies Reichert schon längst für die Membranæ propriæ der Drüsen nachgewiesen hat, und wie sich mit den jetzigen histologischen Methoden leicht für alle obigen Bildungen bestätigen lässt, eine continuirliche Verbindung zwischen ihnen und der angränzenden Bindesubstanz. Man hat früherhin manchen der hieher gehörigen Bildungen, so besonders den’ Membranæ propriæ der Drüsen, eine ganz spezifische Bedeutung für den Aufbau der Organe zugeschrieben; allein wir wissen jetzt, dass ihnen eine solche kaum zukommt. Histogenetisch sind es secundäre Bildungen, und ihre Ausscheidung kann selbst in Drüsen völlig unterbleiben, wie dies z. B. in der Leber der Fall ist. Uebrigens können structurlose Häute auch in der Continuität des mittleren Keimblattes selbst entstehen, wie wir dies an den primitiven Muskelscheiden, an gewissen Knorpelkapseln und an der Descemet’schen Haut sehen, es stellt eben die elastische Substanz die indifferent gewordene Intercellularausscheidung des mittleren Keimblattes dar, wie der Hornstoff diejenige der Gränzblätter zu sein scheint.
Indem ich hiemit obige, nur allzu lückenhafte Skizze schliesse, kann ich nicht umhin, noch einmal darauf hinzuweisen, in wie inniger Verknüpfung die histologische Entwicklungsgeschichte mit den tiefsten Problemen der allgemeinen Physiologie steht. Nie-
5