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mand zweifelt mehr daran, dass, wie dies Bichat zuerst erkannt, die gesammten Leistungen des lebenden Körpers in letzter Instanz auf die, planmässig in einander greifenden Leistungen seiner einzelnen Gewebe sich zurückführen. Diese Leistungen der Gewebe aber sind die unmittelbare Folge ihrer Organisation, und, wie dies besonders die neuere Nerven- und Muskelphysiologie auf das Glänzendste erweist, so hat auch die leiseste Aende-rung der Organisation sofort eine Aenderung der Leistungsfähigkeit zur Folge. Vor unsern Augen sehen wir nun die Gewebe sich aufbauen, und zwar Alle aus demselben elementaren Baustein, der Zelle. Die Zelle aber, obwohl mit reichen innern Kräften ausgestattet, entwickelt sich nur in innigster Abhängigkeit von äussern Lebensbedingungen, und auch auf vorübergehende äussere Einwirkungen reagirt sie alsbald, sei es durch Abänderung ihrer Vegetation, sei es durch anderweitige Abänderung ihrer Lebenserscheinungen. Im Allgemeinen zeigt sich, dass ein auf die Zelle wirkender Reiz diese zum Wachsthum und zur Vermehrung bestimmt; die Art des Wachsthums und das Maass der Vermehrung erweisen sich abhängig von der InteDsitätscurve des Reizes, von der Temperatur, der Zusammensetzung und dem Druck des umgebenden Mediums. Mit wechselndem Wachsthum der Zelle aber ändern sich im Bereich des mittleren Keimblattes auch die Verhältnisse der an-gränzenden Intercellularsubstanz, und wir sehen, dass bei rapider Vermehrung jener, diese schwindet, während sie umgekehrt zunimmt bei abnehmender Zellenvegetalion. — Wenn nun dieselbe Zelle einmal zur Muskelfaser, ein anderes Mal zum Blutkörper, ein drittes Mal zum Gefässbestandtheil wird, wenn dieselbe ferner einmal Glutin, ein anderes Mal Chondrin, ein drittes Mal elastische Substanz ausscheidet, so liegt darin die Aufforderung, zu untersuchen, warum denn eigentlich hier das eine, dort das andere Gewebe entsteht, und es erwächst für die Physiologie geradezu die Aufgabe, einerseits die Gesetze der Abhängigkeit des Zellenlebens von den äussern Lebensbedingungen genau zu präcisiren, andererseits aber jenes System gegenseitig sich auslösender Reize zu ermitteln, das beim Aufbau der einzelnen Gewebe, sowie bei dem des Körpers überhaupt in Kraft tritt. Diese Aufgabe, die durch die Beobachtung vom getrennten Verhalten der drei Keimblätter noch bedeutend complicirt wird, ist zwar sehr schwierig, aber unangreifbar ist sie sicherlich nicht. Es wird dabei die Forschung von den constanten Begleiterscheinungen auszugehen haben, mit denen das Auftreten jedes einzelnen Gewebsbestandtheiles sich verknüpft. Diese Erscheinungen aber werden einerseits durch die pathologisch-anatomische und experimentelle, andererseits durch die embryologische Beobachtung zugänglich, und besonders die auf letzterem Boden erhältlichen Resultate lassen einer durchgreifenden Induction noch einen weiten Spielraum offen.
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