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gebend ist, so dürfen wir sagen, dass jene Beobachtungen auch in unsere physiologischen Vorstellungen mannigfach eingreifen, insbesondere giebt die durch Remak festgestellte nahe genetische Beziehung zwischen Centralnervensystem und Epithelialgebilden Fingerzeige von nicht zu missachtender Bedeutung.
Einzelne Widersprüche birgt indess der Remak’sehe Beobachtungskreis, die diesem Beobachter selbst viel zu denken gegeben haben, und die in der Folge auch Schuld geworden sind, dass der Glaube an gesetzmässige Beziehungen zwischen Entwicklung und histologischer Natur der Organe bei der grossen Mehrzahl der Fachgenossen nie recht zum Durchbruch hat gelangen können. Während nämlich alle sonstigen Produkte der beideu Gränzblätter gefässlos sind, so soll aus dem obersten Keimblatt das nervöse Centralorgan und die Chorioidea, zwei gefässhaltige Gebilde sich entwickeln; während ferner alle sonstigen Drüsen mit Ausführungsgang nur das gefässtragende Gerüst vom mitllern Keimblatt erhalten, das zellige Parenchym dagegen von einem der beiden Gränzblätter, so sollen die mit den ächten Nieren so verwandten Urnieren und die Sexualdrüsen ganz aus dem mittleren Keimblatt gebildet werden; während endlich die peripherischen Nerven aus dem mittleren Keimblatt sich entwickeln sollen, wird notorisch nachgewiesen, dass das centrale Nervensystem und ein Theil der peripheren Endapparate aus dem obersten Keimblatt hervorgehen. Mit Naturgesetzen verhält sichs nun nicht wie mit Regeln der Grammatik, sie haben keine Ausnahmen. Wo somit ein Gesetz in so grossen Zügen angelegt ist, wie das der histologischen Scheidung der drei Keimblätter, da dürfen wir erwarten, dass es auch durchgreift, und dass Alles, was als Ausnahme erscheint, uns nur deshalb so vorkommt, weil wir entweder noch nicht den vollen Ausdruck des Gesetzes gefunden haben, oder weil die Beobachtung selbst noch lückenhaft ist. Letzteres scheint denn auch der Grund der oben hervorgehobenen Widersprüche in Rernak’s Aufstellungen zu sein, wenigstens ist es in letzter Zeit gelungen, einige der gewichtigsten derselheu durch erneute Beobachtung zu eliminiren. Für die Chorioidea nämlich hat Kölliker wahrscheinlich gemacht, Rabuchin bestätigt, dass hlos ihr Epithel aus der äussern Wand der Augenhlase, d. h. also aus dem obersten Keimblatt hervorgeht, ihr gefässhaltiges Gewebe dagegen den Kopfplatten, d. h. dem mittlern Keimblatt entstammt. Weiterhin haben meine Beobachtungen für Gehirn und Rückenmark gezeigt, dass die Blutgefässe mit dem Gewebe dieser Organe nicht in wirkliche Verbindung treten, sondern nur lose in dasselbe sich einschieben, indem sie, wie unten noch ausführlicher dargelegt werden soll, erst secundär von der pia mater aus hineinwachsen. Wie die pia mater selbst, so sind somit auch die Gefässe der nervösen Centralorgane ächte Produkte des mittleren Keimblattes ; Aehnliches gilt, wie H. Müller schon vor mehreren Jahren gezeigt hat1), auch von den Gefässen der Netzhaut, und es bleibt somit das allgemeine Gesetz gewahrt, dass alle Gefässe aus dem mittleren Keimblatt hervorgehen
') Würzburger naturwissenschaftliche Zeitschrift Bd. II, 222.