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Vergleicht man das mittlere Keimblatt mit den beiden Gränzblättern, so ist kein Zweifel vorhanden, dass in seinen Produkten morphologisch eine weit grössere Mannigfaltigkeit herrscht, als in denjenigen der Gränzblätter; alle Formen von Zellen und Zellenderivaten, die in diesen auftreten, die Kugelform, die Plaüenform, die Spindel-, die Sternform, sie finden sich auch in jenem wieder, und selbst die zur langen Faser ausgewachsene Linsenzelle findet ihr Analogon in der quergestreiften Muskelfaser. Dabei hat nun das mittlere Keimblatf vor den beiden Gränzblättern die reiche Bildung von Intercellularsubstanz voraus ; diese fehlt in den Produkten der Gränzblätter bis auf geringe Spuren ganz, während sie bekanntlich in denjenigen des mittlern Keimblattes, nach Menge und Beschaffenheit in hohem Grade wechselnd, die Charaktere der meisten Gewebe der Bindesubstanzgruppen wesentlich bestimmt. — Nach den physiologischen Leistungen indess halten die Produkte der Gränzblätter denjenigen des mittlern Keimblattes so ziemlich die Waage. Liefert dieses das Blut, als das Centrum aller Stoffströmungen, so gehen aus jenen die sämmtlichen se-cernierenden Gebilde hervor; liefert es die in der thierischen Oekonomie so hoch stehenden Muskelelemente, so erzeugt sich aus jenen das, im Verein mit diesen wirkende Nervensystem; ja wenn wir bedenken, dass dem obersten Keimblatt neben der,Produktion des Nervensystems auch noch diejenige der Keimstoffe zufällt, so werden wir geneigt, von allen drei Blättern ihm die höchste physiologische Dignität zuzuerkennen. Auffallend ist übrigens der Gegensatz, der hinsichtlich der Theilnahme am Aufbau des Nervensystems zwischen dem obersten und dem ihm sonst so nahe verwandten untersten Keimblatt besteht. Abgesehen von Medullarrohr und Ganglien sehen wir jenes Blatt auch die eigenthümlichen Endorgane der hohem Sinnesnerven liefern, während das unterste Keimblatt bei keinem derselben sich betheiligt. Für die Empfindungsnerven kennen wir bis jetzt keine vom Hornblatt eigens angelegten Endorgane, immerhin bleibt auch hinsichtlich ihrer bemerkens-werth, dass die eigentliche Tastempfindlichkeit blos solchen Flächen zukommt, die vom Hornblatt überkleidet sind, während alle Theile, an deren Bildung das unterste Keimblatt Theil nimmt, normal nur eine sehr stumpfe Empfindlichkeit besitzen.
In sehr früher Periode kommt es am obern Keimblatt zu einigen vollständigen Abschnürungen, wie zur Abschnürung des Medullarrohres, des Urnierenganges, der Linse und des Gehörbläschens (wozu später noch das Schmelzorgan kommt). Von den abgeschnürten Theilen bleibt blos die Linse zeitlebens für sich bestehen, das Medullarrohr tritt durch Vermittlung der Nerven, soweit wir wissen secundär, wieder in Zusammenhang mit anderweitigen Produkten des obersten Keimblattes. Im Uebrigen aber bilden, nachdem sich an Mund und After, und vorübergehend an den Schlundspalten, eine Verbindung zwischen den beiden Gränzblättern hergestellt hat, diese eine zusammenhängende Haut von complicirter Faltung und mit verschiedentlich geformten Anhängseln, durchweg aus gedrängt an einander gereihten Zellen bestehend. Im mittlern Keimblatt kommt es zwar in früher Periode auch zu gewissen Scheidungen, wie zur Scheidung der Chorda dorsalis und später der
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