﻿13
die Anatomie entschieden in Verlegenheit, wenn sie, mit dem Messer in der Hand, die Haut demonstriren soll, von welcher sie dem System zu Liebe spricht.
Wir beginnen mit der Besprechung der serösen Höhlen. Die Schilderung, die man von diesen zu geben pflegt, ist heutzutage noch ziemlich dieselbe geblichen, wie sie Bichat gegeben. Es sind geschlossene Höhlen, die allenthalben von einer glatten, glänzenden gefäss- und nervenarmen Wand umfasst und während des Lehens von geringen Mengen eines serösen Transsudates befeuchtet werden. Gelasse, Nerven oder Eingeweide liegen niemals frei in deren Höhlung drinn , sondern wo sie gegen diese vorragen , erhalten sie einen glattwandigen Ueberzug, der continuirlich in die übrige Umkleidung der Höhle sich fortsetzt; oder, wie man sich auszudrücken pflegt, es treibt das vortretende Organ das eine Blatt des geschlossenen serösen Beutels scheidenartig vor sich her. Charakteristisch für die Wand aller serösen Höhlen ist die Bekleidung mit einer einfachen Lage abgeplatteter Zellen, unter denen eine dünne Lage sehr verdichteten Bindegewebes folgt. Letztere Lage kann entweder durch eine lockere Bindegewebsschicht am unterliegenden Organ verschiebbar befestigt sein, oder sie haftet diesem sehr innig an. Auch im letztem Fall jedoch ist cs die äusserste Gränzschicht, welche das dichteste Gefüge besitzt, und dieses Texturver-hältniss noch mehr als das Vorhandensein der sogen. Epithelschicht bedingt die Glätte der serösen Haut, sowie ihre sonstigen physikalischen Charaktere.
lieber die Selbstständigkeit der serösen Häute besteht ein ziemlich aller Streit. Schon im vorigen Jahrhundert hat Borden die Behauptung aufgestellt, es seien das Peritonäum, die Pleura und das Pericardium nur Lagen von Bindegewebe, welche durch den von Seiten des unterliegenden Organes auf sie ausgeübten Druck und durch die Reibung sich zu Membranen verdichtet und geglättet hätten. Gegen diese Vorstellung hat sich indess Bichat lebhaft gewehrt und mit völlig schlagenden Beispielen bewiesen, dass die Eigenschaften der serösen Häute nicht auf grob mechanischem Weg ableitbar sind, sondern in der ursprünglichen Organisation derselben ihren Grund finden müssen. Späterhin, nachdem mit Entdeckung der Epithelschicht durch Valentin wenigstens ein spezifischer Bestandtheil aufge-funden war, hielten manche Anatomen diesen für das einzig Wesentliche, und die Beschaffenheit der unterliegenden Gewehslage für etwas mehr Gleichgültiges, eine Vorstellung, welche besonders Luschka in seiner verdienstvollen Monographie über die serösen Häute sehr bekämpft hat. Bei dem heutigen Stand der Histologie möchte der Streit über die Selbstständigkeit der serösen Membranen ein ziemlich müssiger sein und leicht in einen blosen Wortstreit ausarten. Dass die Membranen im Wesentlichen nichts Anderes darslel-len, als eine Modification des Bindegewebes, das auch die unterliegenden Organe durchzieht, das lehrt auf das Bestimmteste die Entwicklungsgeschichte, aber eben so sicher ist es, dass das Bindegewebe an den serösen Flächen selbst Charaktere annimmt, die es in seiner sonstigen Ausbreitung nicht in dem Maasse besitzt und die an verschiedenen Stellen nur quantitativ variiren. Oh nun die oberflächliche Verdichtungsschicht von der Unterlage