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Es bleiben uns vom mittleren Keimblatt noch die fibrösen Häute übrig, und deren Besprechung führt uns auf ein bis dahin wenig betretenes Gebiet, zur Untersuchung nämlich der Abhängigkeit, in welcher die besondern Formen der Bindegewebsentwicklung von äussern mechanischen Einwirkungen stehen. Hierüber will ich versuchen kurz meine Ansichten auszusprechen, wobei die Schwierigkeit des Gegenstandes mich entschuldigen mag, wenn ich vielleicht nicht überall im ersten Griff das Richtige treffe. — Wenn eine Substanz, die durch Druck der Verdichtung, durch Zug der Auflockerung fähig ist, stellenweise den einen oder den andern Einfluss erfährt, so wird im Allgemeinen aus der stattgehabten Einwirkung auf die Dichtigkeit, und umgekehrt wiederum aus letzterer auf erstere zurückgeschlossen werden können. Eine solche Substanz stellt nun unzweifelhaft das Bindegewebe dar; um nur Eines hervorzuheben, so wird die quellungsfähige Grundsubstanz desselben an solchen Stellen , die einen constanten Druck erfahren, weniger Flüssigkeit aufnehmen, als da, wo der Druck fehlt, und schon dadurch an jenen dichter erscheinen, als an diesen. Allein es gestaltet sich die Sache beim Bindegewebe dadurch weit complicir-ter, als bei den todten Substanzen, mit denen die Physik zu thun hat, dass die äussere Einwirkung, neben Hervorbringung von mechanischen Effecten, in ihm auch die Vegetalionsvorgänge zu beeinflussen, und dadurch eine Reihe von secundären Veränderungen einzuleiten vermag. Seiht da, wo der Einfluss des mechanischen Agens auf das wachsende Gewebe augenfällig ist, wird es uns äusserst schwer, zu entscheiden, wie weit primäre, wie weit secundäre Wirkungen dem Gesammteffect zu Grunde liegen.
Die Verfolgung der Entwicklungsverhältnisse des Bindegewebes ergiebt im Wesentlichen folgende Beziehungen. Ueberall, wo das Bindegewebe einer dauernden, oder einer oft wiederholten Zugwirkung ausgesetzt ist, da bildet sich ein fibröses Band, resp. eine Sehne, deren Faserrichtung mit der Zugrichtung zusammenfällt; wo eine Bindegewebs-schichl anhaltenden, oder oft wiederholten, gleichgerichteten Druck erfährt, da bildet sich eine fibröse, mehr oder minder dicke Platte von geschichtetem Bau, mit einer in der Regel gekreuzten Faserung, deren Fasern in Ebenen verlaufen, welche senkrecht zur Druchrich-tung stehn. Unter besonderen Bedingungen entstehen statt der fibrösen, elastische Platten oder Faserlagen, mit einer ebenfalls zur Druckdirection senkrechten Schichtung. Wo endlich das Bindegewebe Zerrungen mässigen Grades erfährt, die bald in der einen, bald in der andern Richtung erfolgen, da treten lockere Bindegewebslagen auf, mit gekreuzter Faserrichtung und mit reichlich eingestreuter Schleimsubstanz, oder Fett. Nach dieser Darstellung also erzeugt sich der Muskel seine Sehnen sowohl, als seine Fascien, d. h. er bestimmt das angränzende Bindegewebe, sich zur Sehne oder Fascie umzuwandeln, es erzeugt sich der wachsende Knorpel sein Perichondrium, das Auge seine Kapsel und das Blutgefäss seine Scheide. — Dass wirklich das mechanische Moment das bedingende sei, das geht nicht allein daraus hervor, dass die betreffende Entwicklungsform, ihrer quantitativen Ausbildung nach, der Grösse des mechanischen Momentes correspondirt, sondern dass auch überall die
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