﻿wickeln sich vielmehr in eben dem Maass, als durch die eintrelende Muskelwirkung gegenseitige Verschiebungen der Theile an einander eintreten.
Die obigen Bemerkungen haben sich auf einen Einfluss mechanischer Momente auf die Bindegewebsentwicklung bezogen, den wir als richtenden bezeichnen können ; es wurde dabei die indifferente Gewebsmasse als gegeben betrachtet und die besondere Art der Ausbildung verfolgt, die diese unter gegebenen äussern Einwirkungen erfährt. Es können nun aber mechanische Einwirkungen, wie Alles, was in den weiten Begriff der Reize fällt, bestimmend auch auf die Neubildung von Zellen, und damit auf die Neuerzeugung von Gewebe wirken. Diese Art	der	Wirkung	wird	sich hauptsächlich nur im lockern Gewebe
geltend machen, und zwar in	erster Linie in	dessen mobilstem Bestandtheile, der Schleim-
substanz. In letzterer nämlich scheint die Bildung, Umwandlung und Wiederauflösung von Grundsubstanz und von Zellen geradezu ein normaler Vorgang zu sein. Gewisse Bildungen im Bindegewebe, wie die	Schleimbeutel	und	die Schleimscheiden , sind längst als mechanisch entstanden bekannt,	und	wie wir	oben	gezeigt haben, so ist gerade bei diesen Bil-
dungen die reichliche Anhäufung einer zellenreichen Schleimsubstanz mit Auflockerung des Gewebes ein bezeichnender Charakter, und mit grösster Wahrscheinlichkeit lässt sich dar-thun, dass ein fortwährender Gewebsverbrauch in ihnen staltfindet. Wie sie, so sind auch die innern Flächen der Gelenkhäute nicht als ruhende Gewrebsmassen anzusehen, sondern als solche, in denen unter dem Einfluss mechanischer Reizung fortwährende Zellenneubildungen vor sich gehen. Sehr hübsch ist übrigens der reizende Einfluss einer, noch in den Gränzen der Norm sich haltenden Bewegung auch an den, einer leichten Entzündung ähnlichen Erscheinungen zu erkennen, welche nach jeder länger dauernden, ungewohnten Be-wegung, nach einem längern Marsch z. B. sich einzustellen pflegen. — Im derben Bindegewebe wird mechanische, sow'ie jede andere Reizung Neubildungsvorgänge deshalb weniger anregen, einmal, weil dessen verkümmerte Zellen an und für sich einen geringem Grad von Erregbarkeit zu besitzen scheinen, als die saftreichen der Schleimsubstanz, sodann aber weil die Dichtigkeit derselben als ein Widerstand gegen Neubildungen wirkt, der erst dann überwunden wird, wenn der Impuls zu letzterer ein sehr mächtiger ist.
Die Häute gemischter Bildung.
Zu den Häuten gemischter Bildung gehören die äussere Haut und die Schleimhäute. Bei beiden, unter sich continuirlich zusammenhängenden Systemen unterscheiden wir den von einem der Gränzblätter gelieferten gefässlosen Epithelialüberzug und eine vom mittlern Keimblatt gelieferte gefässhaltige Gewebsschicbt; als appendikuläre Gebilde des Gesammt-systemes treten die ächten, mit Ausführungsgang versehenen Drüsen auf, während als be-