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Von Antirrhinum majiis unterscheiden schon die Gärtner über ioo verschiedene Rassen (Haage und Schmidt in Erfurt z. B. im Preisverzeichnis 1909: 105) und die Zahl der unterscheidbaren Rassen ist in Wirklichkeit noch sehr viel größer. Es schien mir nun zunächst einmal von Interesse festzustellen, auf der Kombination von wieviel verschiedenen und von welchen Erbeinheiten diese zahlreichen Rassen beruhen, ferner, festzustellen, ob es überhaupt möglich ist, die ganze große Formen- und Farbenmannigfaltigkeit von A. majits auf eine bestimmte Anzahl von Erbeinheiten zurückzuführen, oder ob auch „nicht mendelnde“ Unterschiede hier eine Rolle spielen. Mit anderen Worten, ich will eine völlige hybridologische Analyse der Spezies durchführen.
Eine zweite Aufgabe habe ich mir darin gestellt, zu untersuchen, ob die Unterschiede zwischen A. majus und anderen Arten wie -1. latifolium, sempervirens, molle, hispanicum usw., die, wie ich festgestellt habe, mit A. majus fertile Bastarde geben, ebenfalls auf Fehlen und Vorhandensein von Erbeinheiten beruhen.
Die Lösung dieser beiden Aufgaben ist natürlich in wenigen Jahren nicht möglich und ich bin heute dem Anfang der Arbeit wohl noch viel näher als dem Ende. Aber immerhin übersehe ich heute doch schon manches mit ziemlicher Klarheit, so daß mir eine teilweise Publikation meiner Versuche angezeigt scheint, vor allem deshalb, weil ich nicht der einzige bin, der mit Antirrhinum experimentiert.
Ich will in der Weise vorgehen, daß ich zunächst einen Überblick gebe über die Erbeinheiten, durch deren Präzisierung es möglich ist, das sonst völlig unübersichtliche empirisch gefundene Zahlenmaterial zu verstehen. Erst danach soll ein Bericht über einen Teil meiner Versuche folgen.
Ich selbst arbeite mit der zuerst ja von Correns1) angedeuteten, dann aber besonders von Bateson2) und seinen Schülern ausgearbeiteten, heute ja wohl ganz allgemein angenommenen3) „Presence and Absence“-Hypothese, das will ich, ohne auf Theoretisches hier zu Beginn einzugehen, vorläufig noch hervorheben.
1)	Correns, C. Weitere Beiträge zur Kenntnis der dominierenden Merkmale und der Mosaikbildung der Bastarde. Ber. Deutsch. Botan. Ges. 21 1903. S. 195.
2)	Vgl. z. B. Bateson, W. Mendels Principles of Heredity. Cambridge 1909 auf S. 7öff.
3)	Shull, G. H. The „Presence and Absence" Hypothesis. The American Naturalist 43 1909. S. 410.