﻿Vererbungs- und Bastardierungsversuche mit Antirrhinum.
53
Vererbungs- und Kreuzungsversuche.
Im ganzen habe ich im Laufe der letzten fünf Jahre 642 Individuen zu Stammpflanzen gemacht und 216 davon bisher analysiert, d. h. es wurden durch geschützte Selbstbefruchtung gewonnene Samen ausgesät und die Deszendenz untersucht. Eine große Anzahl dieser Pflanzen wurde untereinander gekreuzt und diese Kreuzung weiter verfolgt.
Es würde viel zu weit führen, wenn ich etwa alle diese Versuche hier publizieren wollte, ein großer Teil ist zudem noch lange nicht abgeschlossen und betrifft Fragen, die hier noch gar nicht erwähnt sind, wie Mutationen, ferner die sonderbare Erblichkeit der gestreiften Rassen (Taf. I Fig. 23—25 u. 33—34), „Gametic Coupling“ und ä. Ich will mich darauf beschränken, in dieser ersten Mitteilung zu berichten über die Erblichkeit, die eine Anzahl aus verschiedenen Quellen bezogener Antirrhinumpflanzen bei Selbstbefruchtung zeigten, und dann die Resultate besprechen, die eine Anzahl von Kreuzungen zwischen diesen Individuen ergab.
1. Die Stammpflanzen.
Zu den Kreuzungen, über die hier berichtet werden soll, wurden verwendet die Pflanzen:
A. 14.
War erhalten durch Selbstbefruchtung von A. 12. Diese Pflanze war aureablättrig und hatte normale, d. h. regelmäßig zygomorphe Blüten und als Blütenfarbe das typische rot a. e. ganz. Das heißt genau Blütenform und Farbe von Fig. 7 Taf. I. Durch Selbstbefruchtung gewonnene Samen von A. 12 gaben in S. 07. 351 22 grüne und 45 aureablättrige Keimpflanzen. Zur Blüte großgezogen wurde hiervon nichts. Eine zweite geselbstete Frucht ergab in S. 07. 250 zwei aurea und drei grüne Keimpflanzen, die großgezogen alle rot genau wie die Mutter blühten. In Hinsicht auf die Blütenform waren vier normalblütig, eine dagegen trug ausschließlich radiär pelorische Blüten, genau wie Textfig. 1 B. Diese Pflanze wurde zur Stammpflanze gemacht als A. 14. Die Pflanze war grün-, d. h. nicht aurea-blättrig'), die Blüten waren alle rot a. e. ganz, pelorisch.
!) Grünblättrig heißt hier und weiterhin stets nur: „nicht aurea” und „nicht chlorina", d. h. normaler Chlorophyllgehalt. Im übrigen können diese als grün be-zeichneten Blätter rein grün oder mehr oder weniger rot überlaufen sein. A 14 hatte z. B. einen sehr deutlichen roten Anflug an den ersten Blättern.