﻿Vererbungs- und Bastardierungsversuche mit Antirrhinum.
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Eine Aufgabe freilich, die erst in Angriff genommen werden kann, wenn man schon möglichst zahlreiche Sippen sehr genau kennt, d. h. nicht bloß aus vertrocknetem Herbarmaterial, sondern durch lange Kultur und Beobachtung im lebenden Zustande.
Durch Kreuzungen einer ganzen Anzahl derartiger Sippen sind offenbar die meisten unserer heutigen Kulturrassen von A. majus entstanden. Welche wilde Sippen auf diese Weise als die Stammformen der kultivierten Rassen anzusehen sind, ist wohl heute kaum mehr festzustellen. Wahrscheinlich ist es möglich durch Kreuzung nur weniger — etwa 2—3 — wilder Sippen schon in F.2 mindestens die ganze Farbenmannigfaltigkeit unserer Kulturrassen zu bekommen. Ich habe einige derartige Versuche eingeleitet, weiß aber nicht, ob ich in absehbarer Zeit genügend Platz haben werde, sie auszuführen.
Die stoffliche Grundlage der Erbeinheiten.
Über den „Sitz“ der Vererbungsträger ist sehr viel diskutiert worden, ohne daß wir besonders viel Klarheit gewonnen hätten. Ich halte es vorläufig für zwecklos, sich Spekulationen darüber hinzugeben, wie wir die theoretisch erschlossenen Erbeinheiten, auch wenn wir sie uns ja als irgend etwas Körperliches vorstellen müssen, in Beziehung bringen können zu anatomischen oder zytologischen Befunden. Man kann ja allerdings, um etwas bequemer in Gedanken mit den Formeln operieren zu können, sich vorstellen, daß irgend ein Faktor, der „present“ ist, also ein großer Buchstabe in unsern Formeln irgend einem Partikelchen in einem Chromosom entspreche. Eine Pflanze, die homozygotisch in bezug auf diesen Faktor ist, habe dann in beiden Kernanteilen, dem väterlichen und dem mütterlichen, diesen Partikel, habe ihn also doppelt. Bei der Reduktionsteilung bekomme dementsprechend auch jede der Tochterzellen diesen Faktor mit. Eine Pflanze, die heterozygotisch ist, habe diesen Partikel nur in dem einelterlichen Kernanteil also nur einmal, und bei der Reduktionsteilung bekomme dementsprechend immer nur eine der beiden Tochterzellen diesen Partikel mit, d. h. nur die Hälfte aller Sexualzellen überträgt die daran geknüpfte „Erbeinheit“. Einer Pflanze, die den betreffenden Faktor homozygotisch nicht enthält, fehle das den Faktor repräsentierende Partikelchen in beiden Kernanteilen. Es ist klar, daß diese Vorstellung völlig im Einklang steht mit allen Spaltungserscheinungen, aber irgend einen bestimmten andern Anhaltspunkt dafür, daß die Erbeinheiten mit Chromosomenpartikelchen zu identifizieren wären, haben wir vorläufig noch nicht.